You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Obwohl über 60jährige einen großen und ständig wachsenden Anteil der Gesamtbevölkerung darstellen (in Deutschland z. Zt. 22% - bei einem geschätzten therapeutischen Behandlungsbedarf von 8-10%), deren Lebenszeit vermutlich noch ein weiteres Drittel umfaßt, hat sich die psychoanalytische Theorie und Praxis bisher kaum mit dem Altern als Teil des Lebenszyklus auseinandergesetzt. Anhand von Forschungsergebnissen zeigt der Autor, daß die Phasen des Alterns als reguläre Bestandteileder Entwicklung während des gesamten Lebenszyklus anzusehen sind und daß für über 60jährige als psychosexuell und psychosozial erfahrene Erwachsene gute psychoanalytische Behandlungsmöglichkeiten mit Veränderungen auf der Symptom-, Verhaltens- und Konfliktebene bestehen. Die ungenügende Versorgungsrealität im deutschsprachigen Raum liegt Radebold zufolge größtenteils an der Abwehrhaltung der über den Behandlungszugang bestimmenden PsychoanalytikerInnen, einer Haltung, der u. a. Unkenntnis, Widerstände gegen die Auseinandersetzung mit den bedrohlichen und beschämenden Aspekten des Alters, Widerstände gegen die Konfrontation mit der eigenen individuellen, historischen und kulturellen Vergangenheit sowie schließlich Ängste vor und Erwartungen andas eigene Altern in der Übertragungskonstellation zugrunde liegen.