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Die Frage, was denn Psychoanalyse mit Politik zu tun habe, scheint heute allein noch verbands- bzw. berufspolitisch von Bedeutung zu sein. Man denkt dabei an den Kampf um die Anteile auf dem Markt der öffentlichen Gesundheitsfürsorge, an die Diskussion um das Psychotherapeuten-Gesetz, an verbandsinterne Ausbildungsrichtlinien und ähnliches. Es ist schon einige Zeit her, daß die Frage, wie denn Psychoanalyse mit Politik und Macht zusammenhängt, über die bloße Durchsetzung von Berufsverbandsinteressen weit hinausging, weil dieser Zusammenhang viel radikaler begriffen wurde. Die politische Linke und insbesondere die frühe Frankfurter Schule (Fromm, Adorno, Marcuse, Horkheimer) sahen die gesellschaftliche Aufgabe der Psychoanalyse nicht auf eine Dienstleistung im Gesundheitswesen beschränkt.
Ebenso wie Freud, der die Psychoanalyse vor allem als Theorie und nicht allein als ein Handwerk bewahrt wissen wollte, sahen diese kritischen Intellektuellen den unschätzbaren Wert der Entdeckungen des unbewußten Seelenlebens in deren revolutionärem Potential — revolutionär deshalb, weil Freuds Theorien sowohl als kritisch als auch als materialistisch verstanden wurden. »Kritisch« waren sie, weil sie das Leitbild des autonomen Individuums als Illusion aufdeckten und der herrschenden Moral nachwiesen, daß ihr gesellschaftlicher Nutzen in einem krassen Mißverhältnis stand zu dem seelischen Elend, in das sie diejenigen stürzte, die ihr gerecht zu werden versuchten; »materialistisch«, weil soziales Handeln, soziale Umgangsformen und soziale Institutionen in einen Erklärungszusammenhang gebracht wurden, der die Leiblichkeit des Menschen, seine Triebnatur und seine Bedürfnisstrukturen nicht nebenbei behandelte, sondern ins Zentrum rückte.
Für ein kritisches Verhältnis zur Politik und zur Macht und für die grundlegende Frage, wie wir denn eigentlich gesellschaftlich so zusammenleben können, daß für alle dieses