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In meiner Rezension der zweiten Auflage dieses Werkes (Psyche — Z Psychoanal 1997) hatte ich es als einen bedeutenden Grundlagentext und hervorragendes Kompendium der Sexualwissenschaft bezeichnet, welches über das komplexe Entwicklungs- und Bedingungsgefüge kulturellen und psychosozialen Wandels der Sexualität ebenso aufklärt wie über den kollektiven und individuellen, gesellschaftlichen und therapeutischen Umgang damit. Es erschien mir als optimales kooperatives Produkt langjähriger praktisch-klinischer, interdisziplinärer und theoretischer Zusammenarbeit, als ein in den Einzelbeiträgen durchweg hochqualifiziertes und verdichtetes Resultat sexualwissenschaftlicher Forschung und Anwendungspraxis. Dieses Votum verdient die nun im Umfang — leider auch im Preis — erneut fast verdoppelte Neubearbeitung erst recht. Insofern kann ich in weiten Teilen auf die frühere Besprechung verweisen und mich hier auf Veränderungen, Erweiterungen und Ergänzungen beschränken.
Weitgehend neu geschrieben hat Sigusch sein programmatisch-theoretisches Eingangskapitel. In gewohnter Konstruktions- und Formulierungslust werden die neuesten Entwicklungen dessen theoretisiert, was er »Transformationen des Sexuellen« nennt. Darin ein durchaus angemessener Seitenhieb auf »essenzialistische Psychoanalytiker« mit ihrem überhistorischen »ein Mann und eine Frau«. Der Bisexualität und den sog. Neosexualitäten, insbesondere »Lean Sex« und »Selfsex«, wird jetzt ein deutlicherer Stellenwert eingeräumt als in der Vorauflage. Angesprochen werden als Reflex gesellschaftlicher Entwicklung »neue Desensibilisierungs- und Zurückweisungsstandards« einerseits, die forcierte »Intimisierung« andererseits. Sigusch schafft es, eine Verbindung von Dialektik der politischen Ökonomie und Systemtheorie an der gesellschaftlichen Tendenz zur beziehungslosen Sexualität zu exemplifizieren. Letztlich sieht er trotz allen Wandels, trotz aller Differenzierung und Reizüberflutung gerade in den »Unwägbarkeiten des Unbewußten« (S.