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Beuys sprach, das Kunstwerk sei ein Rätsel und der Mensch seine Lösung. Reiche schreibt, des Rätsels Lösung seien die Psychoanalytiker. Allerdings trübt er Hoffnungen auf eine allzu umfangreiche Personaldecke frühzeitig ein, nämlich bereits auf dem Buchdeckel. Psychopathographie und Gegenübertragungshermeneutik, heißt es dort, seien tradierte Wege in der Anwendung der Psychoanalyse auf Kunstwerke. Sie hätten mit der Zeit in eine Sackgasse geführt und brächten fast nur noch ausgelaugtes Bestätigungswissen. Strategisch provokant plaziert er Aufreißer, na klar, aber zugleich doch eine unverkennbare Breitseite gegen die eigene Zunft. Folgerichtig nährt die Überschrift des ersten Kapitels, »Zur Methode — Jenseits von Psychopathographie und Gegenübertragungshermeneutik«, die Erwartung, der vorliegende Band werde ein »Livre de combat« sein. Als Psychoanalytiker ist man bei derartigen Aufmärschen mit einem paradoxen Fragediskurs gerüstet: Worum eigentlich sorgt sich denn der Autor so vehement? Um die Kunst? Um die Psychoanalyse? Um den Anwendungsdiskurs? Wer ist mit dieser Sorge »mutterseelenallein« — so der für das gesamte Buch adaptierte Titel einer Installation von Reinhard Mucha?
In solchen Rezeptions-Situationen beginnt man das Buch am besten vom Material her. Medias in res findet der Leser vier kraftvolle Werkanalysen vor. »Mutterseelenallein« von Reinhard Mucha, eine Installation im Frankfurter Museum für Moderne Kunst, die im März 2000 nach 9jähriger Ausstellungsdauer abgebaut wurde. »Threshold« von Bill Viola, eine von mehreren, 1999 in der Frankfurter Innenstadt verteilten Installationen in der Frankfurter Börse. »Herzblatt«, eine Sendung vom 28. 2. 1997 im Ersten der ARD. Und zum Schluß die Betrachtung einer homogenen Gruppe von nach 1990 hergestellten Werken, die ihr Zentrum in einer besonderen Präsentation des Körpers hätten: »Postfeministische Kunst — ein männlicher Blick«. Das Kapitel »Mutterseelenallein« (Mucha) enthält eine sorgfältige, Schritt für Schritt,