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Georges-Arthur Goldschmidt, 1939 als Elfjähriger von seinen jüdischen Eltern in einem französischen Internat untergebracht, wo er Krieg und Verfolgung überstehen konnte, lebt seither in zwei Sprachen. Als Deutschlehrer und Übersetzer (vor allem Peter Handkes) hat er daraus seinen beruflichen Lebensinhalt gemacht. Seine auf französisch verfaßten Bücher über »Freud und die deutsche Sprache« (siehe auch
Psyche — Z Psychoanal 53, 682f.) resümieren eine Auseinandersetzung mit der Unterschiedlichkeit der beiden Sprachen, die ihm, seiner Erinnerung zufolge, bei der ersten Wiederbegegnung mit Deutschen drastisch bewußt wurde. Die Eindrücke einer Zugreise von Paris nach Hamburg im Jahre 1949 beschreibt er so: »Alle diese Leute mit jenen mir wohlbekannten Gesichtern, ein wenig hart, unbewegliche Züge, blaue Augen, sprachen meine Muttersprache mit ihren betonten, dicken Silben. Sie sprachen sie gar, ohne zu lachen, und von ernsten Sachen, die ihnen wichtig schienen. Es schien mir zugleich albern und grotesk, daß sich Erwachsene in jener Sprache unterhielten, die ich nur für Kinder gemacht glaubte; es war an ihr etwas Lachhaftes, und es war komisch, alle diese vielfarbigen und ein wenig naiven Wörter aus diesen langen Körpern herauskommen zu hören, die so gar nicht dazu paßten« (Über die Flüsse, Zürich: Ammann, , S. 315).
Dieses Befremden des jungen Erwachsenen bei der Wiederbegegnung mit der Sprache seiner Kindheit ist Goldschmidt geblieben. Seine Essays über Freud verdanken ihm ihre zentrale Entdeckung, die der »Kindlichkeit« des Deutschen und — folglich — seiner besonderen Eignung für die Psychoanalyse.
Eine Vielfalt von Beobachtungen Goldschmidts stützt diesen auf den ersten Blick überraschenden Befund: So die Häufigkeit der überwiegend als Gegensatzpaare auftretenden, deiktischen Orts- und Richtungsangaben (hin-her, auf-ab, ein-aus, fort-da …), die zudem die Tendenz haben, sich mit zahlreichen Verben oder Nomina zu verbinden und deren Bedeutung dabei entscheidend zu präge