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Im folgenden dokumentieren wir wesentliche Passagen eines Briefwechsels, der auf eine Initiative von Helmut Thomä zurückgeht und ausgelöst wurde durch die Veröffentlichung des Artikels von Anna E. Landis »Die ICD-10 und die Frage nach den natürlichen Krankheitseinheiten bei psychischen Erkrankungen« (Psyche-Z Psychoanal 56, , S. 630-656). Wir halten die darin aufgeworfenen Fragen zur Relevanz oder Irrelevanz, Berechtigung oder Nichtberechtigung einer psychoanalytischen Metapsychologie für wichtig genug, um die gegensätzlichen Positionen hier abzudrucken. Wir hoffen zugleich, damit eine weitergehende Diskussion dieser Thematik in Gang zu setzen.
Die Redaktionskonferenz
12. 9. 2002
Sehr geehrte Frau Dr. Landis,
Ihre Antwort auf meinen kurzen kritischen Kommentar vom 1. 7. 2002, für die ich danke, gibt mir Gelegenheit, einige Punkte zu klären. Zunächst begrüße ich unsere Übereinstimmung darüber, daß sowohl das ICD-10 als auch das DSM-System die deskriptive Klassifikation psychiatrischer Krankheitsbilder vereinheitlicht haben und die gleichen Syndrome weltweit die gleichen Bezeichnungen tragen. Wir stimmen darin überein, daß damit über Sprachbarrieren hinweg eine Verständigung zwischen Psychiatern möglich geworden ist und man sich nun darüber einigen kann, wovon auf einer deskriptiven Ebene die Rede ist. Die Schwächen der ICD-Diagnosen und die schwerwiegenden Mängel des DSM-Systems werden immer offensichtlicher, wie man der neueren Literatur und den Bemühungen des deutschen Arbeitskreises OPD (Operationalisierte Psychodynamische Diagnostik) entnehmen kann (Literatur hierzu: Arbeitskreis OPD 2001; Beutler u. Malik 2002; McHugh 2001). Ich selbst habe kürzlich die großen Nachteile des DSM-Systems, nach Würdigung der Vorzüge, gekennzeichnet (Thomä 2002).
Zu meinem Bedauern ziehen wir aus der Unzufriedenheit mit den beiden Klassifikationssystemen völlig unterschiedliche Konsequenzen. Ich habe Sie offensichtlich vergebens ermutigt, der Frage psychodynamischer Krankheitseinheiten w