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14. 9. (bzw. 24. 11.) 2002
Sehr geehrter Herr Prof. Thomä,
Vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Sie erlaubt zumindest vorläufig Stellung zu nehmen, indem die strittigen Punkte klarer erkennbar werden. Sie lassen sich auf das Verständnis der Metapsychologie und die mit ihr verbundenen Fragen zunächst nach der Legitimität von Axiomen und letztlich des Unterschieds
zwischen dem Konzept eines Triebdualismus und dem eines in sich auf dialektische Weise widersprüchlichen Triebmonismus, eines in sich gedoppelten Triebes, zusammenfassen. Mit letzterem, also mit der Wahl eines dialektischen Triebverständnisses, ist notwendig die Frage nach dem Zusammenhang von Hegels Begriff der Negativität und dem für die Negativität stehenden Anderen innerhalb der Psychoanalyse, worum es in dem Artikel ging, aufgeworfen. Mit den »natürlichen Krankheitseinheiten« sind diese Fragen insofern verbunden, als Ihr Verständnis von diesen als »empirischen Krankheitseinheiten« einen Widerspruch zwischen — oder zumindest ein Nacheinander von — empirisch und theoretisch impliziert: Empirie wäre demnach zunächst theorielos und gewänne die zu ihr gehörende Theorie erst im nachhinein dazu. Versteht man Empirie hingegen als schon immer theoriegeleitet, kann diese im Falle der Psychoanalyse nur in der angeblich nicht existenten Metapsychologie zu suchen sein.
Der Begriff Metapsychologie ist fast ein Tabu geworden. Wenn man Freuds Erbe etwas willkürlich jedoch in einen klinischen und einen theoretischen Teil aufteilt, dann hat heute kein Psychoanalytiker etwas dagegen, daß man den klinischen Teil weiterentwickelte und selbstverständlich nicht mehr in einer buchstäblichen Interpretation an Freuds Worten hängt, sondern sich auf den Sinn dessen, was Freud begonnen hat, konzentriert (das Unbewußte bewußt machen, um es etwas schlagwortartig zu sagen). Das gleiche Zugeständnis gilt nicht dem theoretischen Teil, der Metatheorie der Psychoanalyse, die Freud Metapsychologie nannte. »Freuds Metapsychologie« sche