You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Peter Fonagy ist, neben Daniel Stern und Robert Emde, mittlerweile wahrscheinlich die bedeutendste Figur der zeitgenössischen psychoanalytischen Entwicklungspsychologie. Gerade 50 Jahre alt, hat er ein Werk vorzuweisen, das mehrere Bücher und über 200 Artikel zu den verschiedensten theoretischen und klinischen Fragen der Psychoanalyse umfaßt. Aber nicht nur der quantitative Ausstoß, auch seine Qualitätist beeindruckend. Fonagy verbindet empirische Forschung und theoretische Phantasie in einer Weise, die man nur selten in einer Person vereint antrifft. Eines seiner Spezialgebiete ist die Bindungstheorie. Nach zehn Jahren einschlägiger Forschung hat er seine Gedanken zur Integration von Psychoanalyse und Bindungstheorie nunmehr in einer Monographie dargelegt. Sie besticht, wie nicht anders zu erwarten, durch eine umfassende Kenntnis beider Disziplinen, die den Leser, wie häufig, wenn er einem überlegenen Geistbegegnet, mit einer Mischung aus Bewunderung und Neid erfüllt. Fonagy versteht es, auf äußerst elegante Weise die Weiterungen und Subtilitäten der Theorieverzweigungen darzustellen, bisher nicht gesehene Querverbindungen herzustellen, Konvergenzen und Divergenzen aufzuzeigen und so auch den skeptischen Leser davon zu überzeugen, daß interdisziplinäres Forschen und Theoretisieren die Psychoanalyse nicht zerstört, sondern erhält. Das Buch beginnt mit einer Darstellung wesentlicher Befunde der Bindungstheorie (Kap. 1 und 2). Ihre verschiedenen Methoden werden kurz referiert und dann die für die Psychoanalyse so wichtige Frage behandelt, inwiefern frühe Erfahrungen die spätere Charakterentwicklung und/oder Psychopathologie nachweislich beeinflussen. Der Autor faßt zusammen, daß die diesbezüglichen Ergebnisse nicht gänzlich eindeutig sind. Manche Studien haben deutliche Zusammenhänge gefunden, andere kaum welche. Man kann unsichere Bindung als Risikofaktor für eine spätere seelische Erkrankung betrachten, aber mehr auch nicht. Man findet in klinischen Studien mit schw