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Johann August Schülein, Professor für Allgemeine Soziologie und Wirtschaftssoziologie an der Wirtschaftsuniversität Wien, gehört zu den deutschsprachigen Soziologen, die der Psychoanalyse seit Beginn ihrer wissenschaftlichen Laufbahn eng verbunden sind. Daß er das Amt des Präsidenten der Wiener Sigmund Freud-Gesellschaft bekleidet, ist insofern folgerichtig und ein Zeichen dafür, daß inspirierende Beiträge zur Wissenschaftskultur der Psychoanalyse auch heute noch aus Nachbardisziplinen kommen können.
Schüleins hier anzuzeigendes Projekt beschäftigt sich nicht direkt mit sozialpsychologisch relevanten Problemstellungen der Psychoanalyse. Er nimmt vielmehr einen Faden wieder auf, der seit Grünbaums Affront gegen deren Wissenschaftlichkeit weitgehend liegengeblieben ist und es verdient, angesichts der Umschichtungen des internationalen Wissenschaftsbetriebes weitergeknüpft zu werden. Hier hat sich bekanntlich eine neue »dritte Kultur« konstelliert, in der Disziplinen wie Molekular- und Evolutionsbiologie an der Seite von Neurowissenschaften und Forschungen zur Künstlichen Intelligenz richtungweisend geworden sind. Diese neonaturalistische Großwetterlage zwingt die Freudsche Psychoanalyse abermals zur Begründung ihres Ortes, zur schärferen Artikulation ihrer Stimme in diesem Chor des Wissens - um hier nicht, wie die Gerüchte kursieren, nach Marx nun ebenso als tragische Gestalt zu verstummen, bis der Selektionsdruck der szientifischen Moderne allein noch die »Darwin AG« (Frank Schirrmacher) übrigläßt.
Es gilt also, das »Problemprofil« der Psychoanalyse als Theorie mit einem erneuten Begründungsaufwand einzukreisen. Daß Schülein damit sogleich in die Aporien jeder Begründung gerät, setzt er unumwunden voraus. Ja, diese Aporetik erfahrbar zu machen, hat Methode, liegt in der Paradoxie des Satzes vom Grund und ist insofern dem Gegenstand der Psychoanalyse immanent, wenn diese ihre Rationalität geltend machen möchte: Schülein will »erklären, warum psychoanalytische Theorie ei