You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Beidem hier anzuzeigenden Buch handelt es sich in der Tat um eine andere Psychodynamik als die, die von den verschiedenen Varianten des psychoanalytischen main stream bis heute vertreten wird. Zwei Stichworte markieren diesen Unterschied: Die Ergebnisse früherer umfangreicher Freud-Studien aufgreifend, arbeitet das Autorenpaar einerseits die kardinale Bedeutung des engagiert Einfluß nehmenden (suggestiven) Analytikers für den psychoanalytischen Prozeß heraus, andererseits orientiert sich dies therapeutische Engagement dezidiert am Ziel der aktiven Förderung der »Selbstbemächtigung des Subjekts«, der Ermöglichung des Begehrens der Patienten durch die therapeutische Beziehung. Konkret bedeutet dies ein professionell strukturiertes Sich-Einlassen auf den jeweiligen therapeutischen Partner mit dem Ziel der Überwindung seiner neurotischen Fesseln und Einschränkungen durch Solidarisierung mit seinen persönlichen unbewußten und bewußten Wünschen und Zielen in seinem Lebenskontext.
Damit verlagert sich das Interesse des Therapeuten von der immer subtileren Versenkung in die (Erlebens-) Geschichte des Patienten zu einer von der Symptomatik ausgehenden aktiven Hilfe bei der Selbstbemächtigung (Selbstentfaltung).
Die Konkretion dieser Grundorientierung wird durch eine intensive Auseinandersetzung mit den Auffassungen und Gepflogenheiten der gegenwärtigen deutschen Psychoanalyse, Psychotherapeutischen Medizin und Psychiatrie erreicht. In dieser Polemik, die der psychoanalytischen und psychiatrisch-medizinischen Tradition den Krieg erklärt, gewinnen die Positionen des Autorenpaares klare Kontur und überzeugende Stringenz.
Eine wesentliche Rolle spielt dabei die (ebenfalls in früheren Studien erarbeitete) Würdigung der Eigenart der Psychoanalyse als origineller hermeneutischer (nicht positivistischer) Wissenschaft und des psychoanalytischen Vorgehens als einer von präziser Intuition und Intention gesteuerten Artistik in der Tradition der (antiken) Rhetorik (statt des diskursiven Den