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Seit den Pionierarbeiten von Spitz und Bowlby über empirische Kleinkindbeobachtung in den 50er Jahren steht in
der Psychoanalyse nicht mehr allein die genuin psychoanalytische, rekonstruktive Suche nach entwicklungspsychologischen Abläufen im Vordergrund psychoanalytischer Forschung. Vielmehr ist die direkte Beobachtung und Beschreibung interaktiver Episoden zwischen Erwachsenen und Kleinkindern Bestandteil psychoanalytischen Forschens geworden und hat damit auch die psychoanalytische Theorie (etwa in den Ansätzen zur Bindungsforschung) in den vergangenen Jahren nachhaltig befruchtet.
Welche Bedeutung das Geschlecht für eine gesunde oder pathologische Entwicklung hat, wurde dabei bisher jedoch überraschenderweise weitgehend vernachlässigt. Ein Forschungsdefizit, das um so schwerer wiegt, als in Prävalenz und Ausprägung psychischer Störungen ausgeprägte geschlechtsspezifische Unterschiede existieren. So zählen Depressionen, Ängste und Eßstörungen zu den Störungen, unter denen Frauen bei weitem häufiger leiden als Männer, während bei Männern Substanzmittelabusus und suizidales Verhalten überwiegen. Wenn man psychoanalytisch betrachtet dahinter auch einen geschlechtsspezifisch unterschiedlichen Entwicklungsverlauf bei Jungen und Mädchen vermutet, gibt es hierzu im Rahmen der modernen analytischen Kleinkindforschung allerdings nur wenige Daten.
Lothar Schattenburg legt nun in seiner Arbeit über geschlechtsstereotype Attributionen bei Kindern in Leistungssituationen eine aufwendige empirische Untersuchung vor, die, wenngleich mit verhaltenstheoretischem Hintergrund entstanden, auch aus psychoanalytischer Sicht von Interesse sein kann. Er geht in einer quantitativ-empirischen Studie, die an der Universität Fribourg von Schattenburg und Kollegen durchgeführt wurde, Fragen zur Geschlechtersozialisation aus attributionstheoretischer Perspektive nach, um letztendlich einen Beitrag zur geschlechtsspezifischen Ätiologie psychischer Störungen zu leisten. Selbst- und Fremdattribu