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Bertha Pappenheim ist die berühmteste und umstrittenste, die »Ur-Patientin« der Psychoanalyse. Als die Geschichte der »Anna O.« ist die Krankengeschichte in die Studien über Hysterie eingegangen, das 1895 erschienene Gemeinschaftswerk Josef Breuers und Sigmund Freuds, das hundert Jahre später noch vor Freuds epochemachender Traumdeutung als eigentliches »Urbuch der Psychoanalyse« gefeiert wurde.
Mit einigem Recht. Den Studien zufolge konnte »Anna O.« als die eigentliche Entdeckerin der »kathartischen Methode« gelten. Die schweren hysterischen Symptome, unter denen sie litt - Lähmungen, Empfindungs-, Seh- und Sprachstörungen, Phobien und Neuralgien -, konnte sie gleichsam »wegerzählen«, wegsprechen, wenn es ihr mit der hypnotischen Hilfe ihres behandelnden Arztes Josef Breuer gelang, im Erzählen zu den traumatisierenden Szenen und Affekten zurückzufinden, die am Beginn der Symptombildung standen. Mit der »Anna O.« eigenen sprachlichen Begabung nannte sie selbst das ihre »talking cure«, ihre Sprechkur oder, noch plastischer, ihr »chimney-sweeping«, ihr verbales Schornsteinfegen. Ein psycho-homöopathischer Prozeß, ein buchstäblich beredtes Psycho-Drama lief hier ab, in dem die Sprache, an die sonst im Fin-de-Siècle weder die Dichter noch die Philosophen mehr glaubten, als Königsweg der Therapie wirkte.
Die Revolutionierung der psychiatrischen Beziehung, die Patientenzentriertheit der Therapie, die Selbstbeschneidung des Arztes auf die Rolle eines hypnotischen Geburtshelfers und