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Der deutsche Filmregisseur Friedrich Wilhelm Murnau, 1881 in Bielefeld geboren und 1931 bei einem Verkehrsunfall in den USA ums Leben gekommen, inszenierte eine Reihe von Filmen von großer atmosphärischer Dichte, teils noch in Deutschland, teils in den USA. So wie die gebürtigen Österreicher Stroheim und Sternberg ihrem Namen in Hollywood ein »von« hinzufügten, um sich auf diese Weise in der Filmwelt aufzuwerten, änderte Murnau seinen Namen gleich zu Beginn seiner Karriere, wohl in Anlehnung an die Ortschaft Murnau am bayrischen Staffelsee. Was die in Deutschland inszenierten Filme betrifft, so hob schon Siegfried Kracauer in seinem Buch Von Caligari zu Hitler Murnaus besondere Begabung hervor, Realität in eine Art Überwirklichkeit zu verwandeln. Diese Fähigkeit zeige sich, schreibt Kracauer, bereits in dem 1921 entstandenen, heute verschollenen Schloß Vogelöd:
»Dieser frühe Film bezeugte […] Murnaus einzigartige Gabe, die Grenzen zwischen Wirklichem und Unwirklichem zu verwischen. Ein Lichthof aus Traum und Ahnung umgab die Wirklichkeit in seinen Filmen, und eine greifbare Gestalt wurde in den Augen der Zuschauer plötzlich zur bloßen Erscheinung« (Kracauer 1947, S. 85).
Die gleiche Wertschätzung des Regisseurs bringt auch François Truffaut in seinem Buch über Hitchcock zum Ausdruck, wo er ganz unversehens auf Murnau zu sprechen kommt. Es geht um Hitchcocks frühen englischen Film The 39 Steps und darin die Szene, in der der von der Polizei gesuchte Protagonist Unterschlupf bei einem schottischen Landehepaar findet. Der Farmer ist mißtrauisch und geneigt, ihn der Polizei auszuliefern, die Frau glaubt an die Unschuld des Flüchtigen und warnt ihn rechtzeitig. Atmosphärisch ist die Episode besonders intensiv, und Truffaut kommentiert:
»Die Stimmung erinnert an Murnau, wahrscheinlich wegen der Gesichter, wegen des Dekors, und wahrscheinlich auch, weil die Personen in diesem Augenblick wirklich an die Erde gebunden sind und an die Religion« (Truffaut 1984, S. 86).
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