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Sehr geehrte Frau Dr. Landis, sehr geehrter Herr Prof. Thomä,
es freut mich, daß die PSYCHE mit dem Abdruck Ihres Briefwechsels eine »weitergehende Diskussion« zur »Relevanz oder Irrelevanz, Berechtigung oder Nichtberechtigung einer psychoanalytischen Metapsychologie« (2003, S. 174) in Gang setzen möchte. Ich nehme diesen Aufruf gerne an, zumal Ihre Kontroverse aus unterschiedlichen Gründen ausführlich auf die von mir vorgelegte Konzeption der Metapsychologie Bezug nimmt.
Drei theoretische Positionen werden in Ihrer Kontroverse diskutiert: die »anti-metapsychologische« von Herrn Thomä, die »dialektische« von Frau Landis und meine »formal-logische«. Man kann also das Psychische auf sehr verschiedene Weise theoretisch fassen, und dies scheint mir interessant im Hinblick auf die Frage, wie wir über das Theoretische innerhalb der Psychoanalyse denken und wie wir damit umgehen.
Theorien sagen uns nicht, wie die Dinge wirklich sind, sondern wie wir sie konzeptualisieren. Das heißt, Theorien entstehen in der Differenz, der Leerstelle zwischen den bekannten Fakten der Realität und den unbekannten, gesuchten Gründen oder Entstehungsbedingungen dieser Fakten. Die Entwicklung von Theorie zielt darauf, diese Leerstelle zu füllen und ist somit immer ein Stück weit spekulativ. In der Debatte um die Metapsychologie ist dieses allem Theoretisieren essentiell innewohnende kreative Moment des »Spekulativen« zu Unrecht diskreditiert worden. Um es etwas zeitgemäßer auszudrücken: Theorien entstehen spielerisch. Es ist ein intellektuelles Spiel, bei dem nach bestimmten Regeln diejenigen Werkzeuge (Begriffe, Konzepte) kreiert und in einer Theorie zusammengefaßt werden, die uns helfen sollen, das noch Unverstandene zu erforschen. In der Forschung — so auch in der Psychoanalyse — sind Beobachtung, Überprüfung, Kontrolle und Nachweis unerläßlich — und auch hier lernen wir wiederum aus der Diskrepanz zwischen Erwartung und Ereignis; aber:
»Ohne metapsychologisches Spekulieren und Theoretisieren