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Der Film spielt an einem einzigen Tag, einem 2. Juli, an dem der 76jährige Isak Borg im südschwedischen Lund anläßlich seines 50jährigen medizinischen Doktorjubiläums den Ehrendoktorhut erhalten wird. Die Fahrt von Stockholm dorthin und der Abend in Lund werden für Borg zu einer Fahrt in sein eigenes Inneres, und zwar in einer Weise, daß wir Wilde Erdbeeren als eine psychoanalytische Lebensreise mit den Mitteln des Films interpretieren. In dieser Perspektive kann man das Geschehen als Darstellung eines Bewußtwerdungs- und inneren Veränderungsprozesses begreifen, in dem sich Borg, um innerlich lebendig werden zu können, gegen seinen Widerstand als lebendig tot erleben muß, wie er es nach seinem zweiten Traum formuliert: »Es ist, als ob ich mir etwas sagen würde, was ich wach nicht denken kann: »Ich bin tot«.« Mit anderen Worten, wir interpretieren Wilde Erdbeeren so, daß in ihm in einer psychoanalytisch inspirierten Weise mit den Mitteln des Films ein seelischer Entwicklungsprozeß mitvollziehbar wird, der um die miteinander verbundenen Themen »im Leben tot sein«, »Schuld« und »Wiederfinden des Objekts« kreist.
Ausgangspunkt unserer Interpretation sind zwei zentrale Merkmale der formalen Gesamtstruktur des Films: Reflexivität und Stationen-Reise. Die Gesamtform des Films ist in doppelter Weise reflexiv: Er stellt nicht nur die äußeren und inneren Geschehnisse von Borgs 2. Juli und dessen Sich-darauf-Einlassen dar, sondern gibt überdies mit Borgs Stimme aus dem Off dessen teils erzählenden, teils reflektierenden Kommentar dazu wieder. Auf dieser Ebene ist der Film genuin psychoanalytisch darin, daß es um die Frage nach Borgs innerer Schuld und seiner hinter der Fassade des verehrten und geachteten Wissenschaftlers verborgenen Destruktivität geht und daß Phantasien und Träume entscheidende Stationen auf Borgs Weg der Selbsterkenntnis darstellen. Auch das zweite prägende Merkmal der Gesamtform des Films lädt dazu ein, ihn als Visualisierung eines psychoanalytischen Erkenn