You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die »zunehmende Betonung der Übersetzung unbewußter Konflikte in die Objektbeziehungsterminologie« hat in den letzten 20 Jahren dazu geführt, daß Phänomene wie Agieren und Inszenieren eine Neubewertung erfahren haben. Patienten teilen das, worunter sie leiden, handelnd mit, stellen es körperlich-gestisch dar, setzen es in der Analyse wie auf einer Bühne in Szene. Solche szenischen Darstellungen sind ein wichtiges Mittel der Kommunikation gerade jener Patienten, die als schwer Traumatisierte in Behandlung kommen.
Der von Ulrich Streeck herausgegebene Band beleuchtet die im Titel angesprochenen Phänomene in vier großen Kapiteln. In dem vorangestellten Überblick umreißt der Herausgeber, von zwei Fallvignetten ausgehend, den klinischen Rahmen von Agieren und Erinnern, von Sprechen und Handeln im therapeutischen Prozeß. So wie Äußerungen des Alltagslebens als komplexe soziale und kommunikative Handlungen verstanden werden, vollzieht auch der therapeutische Prozeß sich nicht nur im Austausch von Worten, wie Freud meinte, sondern darüber hinaus in wechselseitigem Handeln: Enactments oder Inszenierungen sind »joint creations« von Patient und Analytiker.
Das erste Kapitel »Entwicklung und Interaktion« enthält zwei Beiträge. Martin Dornes geht in seinem Beitrag »Affektspiegelung — zur symbol- und identitätsbildenden Funktion früher Interaktion« von Überlegungen des ungarischen Psychoanalytikers György Gergely aus, der die frühe Eltern-Kind-Interaktion als ein »feedback model of affect-mirroring« (S. 62) versteht. Die Antwort auf die Frage: »Was erblickt das Kind, das der Mutter ins Auge schaut?« — »Es sieht sich selbst!« (S. 60), kann Dornes anhand differenzierter entwicklungspsychologischer Überlegungen plausibel machen. Es folgen Ausführungen zu einer interaktionistischen Theorie der Symbolentstehung und der Identitätsbildung durch die Affektspiegelung der Eltern. Der Göttinger Neurobiologe Gerald Huether zeigt in seinem Beitrag »Über die neurobiologische Verankerung von Erf