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Solidität und Produktivität klassischer Theorien erkennt man unter anderem daran, daß sie von einem bestimmten Zeitpunkt an Lehrbuchtraditionen begründen und auszubilden pflegen. Der Grund liegt üblicherweise darin, daß das vorhandene Wissen gesichert und gegenüber anderen Konzepten wie auch gegenüber neueren Entwicklungen im eigenen Hause deutlicher abgegrenzt werden soll. Deswegen sind Lehrbücher häufig nicht frei von dogmatischen Einengungen, damit richtig verstanden wird, was eigentlich gemeint war. Die beiden Bücher, die hier dem Leser nachdrücklich empfohlen werden, umschiffen diese Klippe und stellen damit der psychoanalytischen Selbstpsychologie als einem äußerst lebendigen und sich mit offenem Ausgang weiterentwickelnden Theoriesystem ein gutes Zeugnis aus. Doch nun der Reihe nach und im einzelnen:
Allen Siegel verfolgt mit seinem (von Petra Holler vorzüglich übersetztem) Buch zwei Ziele: Er möchte seine Leserinnen und Leser erstens dazu anregen, Kohut im Original zu lesen, und zweitens dessen Gedanken so klar und verständlich darstellen, daß Psychotherapeutenaller Richtungen seine Konzeptualisierungen für sich nutzen und in ihre Arbeit einfließen lassen können (vgl. S. 10f.). Die Anlage seiner gleichermaßen auf didaktischem Engagement beruhenden wie dogmatisierende Passagen vermeidenden Studie ist äußerst geschickt gewählt, denn Siegel rekonstruiert die Theorie der Selbstpsychologie gleichsam als Problem ihrer Entstehung, in genetischer Perspektive also. Das verschafft dem Leser die Möglichkeit, Kohut bei der Entwicklung seiner theoretischen Konzepte sozusagen über die Schulter zu schauen: Wer Siegel liest, kann Kohut beobachten (und selbstpsychologisch fortgeschrittene Leser können natürlich mit nicht minderem Gewinn Siegel dabei beobachten, wie er Kohut beobachtet). Das Buch ist in dreizehn Kapitel gegliedert: Den Auftakt (»Von Wien nach Chicago«) bildet eine ebenso anregende wie anrührende biographisch fundierte Einstimmung, die Ernest S. Wolf, der treue