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Wann ist eigentlich eine Person psychisch krank? Der Philosoph Thomas Schramme ist in seinem Buch einem Begriff auf der Spur, mit dem in Klinik und Praxis täglich operiert wird — ohne daß auch nur im entferntesten Einigkeit darüber herrschte, wie dieser Begriff sinnvoll zu verwenden sei. Diese Frage versucht Schramme zu beantworten, und er spürt dabei nicht in erster Linie die verschiedenen Verwendungsweisen des Begriffes in Wissenschaft und Alltag auf, sondern liefert stichhaltige Gründe dafür, den Begriff »psychische Krankheit« nur in ganz bestimmten Fällen zu verwenden:
Die Diagnose »psychisch krank« sollte — im ersten Schritt — prinzipiell nur dann gestellt werden dürfen, wenn ein pathologischer Zustand vorliegt, den Schramme im Anschluß an Christopher Boorse als Störung der Funktionsfähigkeit versteht. Die betreffende Person muß also zunächst in einem medizinischen Sinne krank genannt werden können, wobei »medizinisch« oder »pathologisch« hier nicht bedeuten soll, daß etwa eine hirnphysiologische Störung bestimmter elementarer Prozesse tatsächlich nachgewiesen worden sein muß. In diesem Zusammenhang wendet Schramme sich klar und mit guten Argumenten gegen reduktionistische Theorien, die die eineindeutige Rückführbarkeit psychischer Zustände auf neurophysiologische Vorgänge behaupten. Statt dessen stellt er als aussichtsreicheren Vorschlag für das Verständnis des Verhältnisses von Psyche und Physis beispielhaft die Theorie des »anomalen Monismus« von Donald Davidson vor. Diese vermeidet die Nachteile, die ein reiner Reduktionismus mit sich bringt, ebenso wie diejenigen Probleme, die ein Substanzdualismus descartscher Prägung nach sich zieht. Statt dessen erlaubt ein Ansatz dieser Art die Zuschreibung von Krankhaftigkeit mit Hilfe psychologischer Begriffe, jedoch