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Seit ihren Anfängen stehen für die Psychoanalyse Erinnerung und Gedächtnis im Mittelpunkt von Behandlung und Theoriebildung. An jede ernst zu nehmende psychologische Theoriestellte Freud den Anspruch, eine Erklärung für diese Phänomene zu bieten. Auch wenn er sein Theoriegebäude laufend revidierte, hielt er doch stets daran fest, daß es das Ziel der analytischen Kur sei, verdrängte Erinnerungen an die seelische Frühzeit bewußt zu machen. Mit der Übertragung entdeckte Freud eine spezifische Form des Gedächtnisses, in dem Kindheitserinnerungen nicht bewußt erinnert, sondern in der Beziehung zum Analytiker erlebt und damit wiederholt werden. Der Erfolg der Kur liegt deshalb darin, »etwas durch Erinnerungsarbeit zu erledigen, was der Patient durch eine Aktion abführen möchte« (1914g, S. 133). Rekonstruktive Deutungen erhalten somit, wie Freud mit seiner berühmten Archäologie-Metapher ausführt, einen zentralen Platz in der analytischen Arbeit, deren anzustrebendes Ziel darin besteht, »ein zuverlässiges und in allen wesentlichen Stücken vollständiges Bild der vergessenen Lebensjahre des Patienten« zu erreichen (1937d, S. 44). Die Aneignung der historischen Realität durch Erinnerung eröffnet für Freud die Möglichkeit, sich vom Wiederholungszwang und damit von der Tyrannei der Vergangenheit zu befreien.
War die Ich-Psychologie in der Nachfolge Freuds noch von der therapeutischen Wirksamkeit von Erinnerung und Rekonstruktion überzeugt, so ist diese Auffassung mit dem Aufkommen der neueren Objektbeziehungspsychologien und der narrativen Wende in der Psychoanalyse massiv erschüttert worden. Nach dem narratologischen Verständnisder Psychoanalyse kommen wir nie in Kontakt mit der tatsächlichen Erinnerung, sondern immer nur mit deren Beschreibung durch den Patienten. Wahrheit ist deshalb nicht wie etwas Verborgenes aufzufinden, sondern ist stets in ein Narrativ eingebunden, das erst wahr ist, wenn es für den Patienten plausibel und vertraut geworden ist und unverbunden gebliebene