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Es verwundert nicht, daß der Sozialpsychologe und Soziologe Harald Welzer, Leiter der Forschungsgruppe »Erinnerung und Gedächtnis« am kulturwissenschaftlichen Institut in Essen und Forschungsprofessor für Sozialpsychologie an der Universität Witten-Herdecke, für die soziale und kommunikative Natur unseres Gedächtnisses plädiert. Während sich manche früheren sozialkonstruktivistischen Bestimmungen von Erinnerung häufig in einem körperlosen Erzähl-Raum bewegten, hat Welzer den Anspruch, auch die neurobiologischen Grundlagen des Gedächtnisses einzubeziehen, deren Erkenntnisse sich gerade in den zurückliegenden Jahren so rapide vermehrt haben, und dennoch die kulturelle Dimension nicht außen vor zu lassen. Im Sinne des gegenwärtig zu beobachtenden Umsichgreifens einer Vernaturwissenschaftlichung psychologischer Forschungsthemen scheint dies einerseits den Tribut an den derzeitigen bio- und neurowissenschaftlichen Mainstream darzustellen, andererseits sollten psychologische, kultur- und sozialwissenschaftliche Zugänge zum Gedächtnis kompatibel mit biologisch-neurowissenschaftlichen Befunden sein, ohne einem unreflektierten Reduktionismus aufzusitzen. Bei diesem werden psychische Phänomene auf neuronale Verschaltungen zurückgeführt, ohne deren emergente Natur zu berücksichtigen. Dann fühlt die Amygdala, oder ein Mangel an Serotonin macht depressiv. Andererseits kann dem Gedächtnis aus (entwicklungs-)- psychologischer Sicht nicht etwas unterstellt werden, was neurobiologisch unmöglich ist. Auf das Ergebnis seines interdisziplinären Diskurses darf man deshalb gespannt sein. Er ist, um es vorweg zu sagen, gut gelungen. Dennoch kann ich es mir als Rezensent nicht verkneifen, einige psychoanalytische Anmerkungen zu machen. Eine sozialpsychologische Abhandlung über den kommunikativen Ursprung des Gedächtnisses muß sich nämlich die Frage gefallen lassen, warum trotz einiger Anleihen bei modernen psychoanalytischen Autoren, die von Welzer aber nicht explizit erwähnt werden, solch