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Möglicherweise tut sich gerade etwas in der Psychoanalyse. Man hört von neuen Gruppenbildungen in Europa, und in den USA spricht man vom Ende einer Ära, nämlich dem Ende der Ego psychology. Die Ichpsychologie hatte sich im Gefolge der Immigration europäischer Psychoanalytiker in die USA dort zu einer Art Schule entwickelt, die von Ende der dreißiger bis spät in die siebziger Jahre den mainstream der amerikanischen IPA-Psychoanalyse bildete. Im Zentrum der Bewegung standen, wie vielfach dargestellt, Heinz Hartmann, Ernst Kris und Rudolf Loewenstein in New York; die Verbindungen zu Anna Freud in London sollen eng gewesen sein. Insgesamt empfand sich die amerikanische, Hartmannsche Ichpsychologie als die einzige legitime Fortsetzung der Freudschen Psychoanalyse.
So unumstößlich sich das anhören mag, sollte man doch nicht übersehen, daß Festschreibungen wie die eben gegebene nie auf Fakten beruhen, sondern immer auch ein Stück parteiischer, subjektiver Geschichtsschreibung und Mythenbildung beinhalten. Vielleicht ist Martin Bergmanns »Erfindung« (so Anton Kris) der »Hartmann Era« ein solcher Beitrag zum Mythos der amerikanischen Psychoanalyse. Er machte sie jedenfalls zum Titel eines von ihm herausgegebenen Buches, in dessen Mittelpunkt die Frage steht, ob und inwiefern man von einer Ära Hartmann sprechen kann, wodurch sie sich auszeichnet, wie es heute um sie steht und ob sie nicht schon an ihr Ende gekommen ist.
The Hartmann Era ging aus einem Projekthervor, das vom Psychoanalytic Research and Development Fund finanziert wurde. Das Format ist interessant: ein Autor (Bergmann) verfaßte ein ausführliches Positionspapier, eine Reihe von Kollegen bezog schriftlich Stellung dazu, und auf dieser Basis fand eine zwei volle Tage dauernde Diskussion zwischen den Autoren statt. So gliedert sich auch das Buch: der erste Teilenthält Bergmanns Darstellung der Leistungen und Probleme der Hartmannschen Ichpsychologie (S. 1-78). Daran schließen sich Kommentare sieben amerikanischer Kol