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H. K: Ich bin in Krakau geboren. Ich stamme aus einer altjüdischen Familie. In einem gewissen Sinn bin ich vorbelastet: Mein Großvater mütterlicherseits lebte als chassidischer Rabbiner, und wahrscheinlich hat er viele Menschen im seelischen Sinne gerettet. Das war die Tradition meiner Familie. Diese Gestalt meines Großvaters war für mich wichtig während der schweren Zeiten im KZ, aber auch in späteren Zeiten meiner Entwicklung. Väterlicherseits stamme ich aus einer Familie weltorientierter Kaufleute, im Unterschied zu der geistesorientierten mütterlichen Familie. Meine Mutter brachte meinen Großvater, der mit Mystik und Kabbala beschäftigt war, oft mit mir in Verbindung. Ich erhielt eine traditionellreligiöse jüdische Erziehung und war jüngstes von fünf Geschwistern. Dadurch entwickelte sich eine starke Bindung an meine Mutter und an entsprechende Familienbeziehungen. Es ist schwer für mich, über diese Zeit zu sprechen. Einerseits ist sie so nahe, andererseits so weit entfernt, fast wie eine prähistorische Urzeit. Aber dieses Prähistorisch-Archaische ist mir sehr nahe, und ich stehe die ganze Zeit in Verbindung mit diesen magischen Kinderjahren. Diese Jahre sind wahrscheinlich determinierend für meine Erlebnisse auch im Holocaust. Gerade kommt mir ein jüdisches Kinderlied von unserem Freund Mordechaj Gebirtig in den Sinn, einem jiddischen Dichter. Er lebte im selben Haus- eine Art volkstümlicher Troubadour. Und er schrieb ein Lied »Kinderjahre, süße, teure Blumen«.1 Auf dieses Lied komme ich sehr oft zurück, denn diese Lieder tragen den Zauber von damals in sich, aber auch die Hoffnung auf bessere Zeiten.
D. v. W.: Wie und wann ist Ihnen der aggressive Antisemitismus, den Hitler in Deutschland entfacht hatte, zum ersten Mal begegnet?
H. K.: Als kleiner Junge - klein? Nun ja, 12 Jahre alt. Gerade dieser Mordechaj
Aus dem Archiv der Psychoanalyse
* Das Gespräch mit Hillel Klein führte Dörte von Westernhagen im Herbst 1983 in Stuttgart. Teile davon sind in einer Sendung des
Aus dem Archiv der Psychoanalyse
* Das Gespräch mit Hillel Klein führte Dörte von Westernhagen im Herbst 1983 in Stuttgart. Teile davon sind in einer Sendung des