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Die Beantwortung der Frage, welche Bedeutung das Judentum für die Psychoanalyse hat, spaltet in den beiden letzten Jahrzehnten die Gelehrten scharf in zwei Gruppen, nachdem sie, zumal in Deutschland, lange Zeit überhaupt kein Thema war. Auf der einen Seite finden wir etwa Peter Gay, der erklärt, dem Umstand, daß Freud Jude war, komme für die Entstehung der Psychoanalyse keinerlei Relevanz zu. Vor allem mit Verweis auf einschlägige Zitate aus Die Zukunft einer Illusion wird Freud eindeutig in eine aufklärerische und geradezu antireligiöse Tradition gestellt. Ja, Gay warnt eindringlich davor, Freuds eigene und wiederholte Feststellung, er sei Atheist, zu unterschätzen und damit den Status der Psychoanalyse als Wissenschaft und ihren Anspruch auf Universalität zu gefährden. Auf der anderen Seite, im gewissermaßen »religiösen Lager«, treffen wir auf Autoren, die genau das Gegenteil behaupten. Als Wortführer dieser Fraktion kann Yerushalmi gelten, der nachzuweisen versucht, daß die Psychoanalyse mit gutem Grund und einigem Recht als eine jüdische Wissenschaft gelten kann. Er findet dafür die prägnante Formulierung »Psychoanalyse ist gottloses Judentum«, die wohl letzte Ausprägung des Judaismus. Die Frage, die sich nun allerdings stellt, ist, ob die Psychoanalyse, wenn sie sich in dieser essentiellen Weise an das Gesetz einer Nation, eines Volkes oder einer Kultur bindet, nicht den Anspruch auf universelle Gültigkeit verliert. Man kann geradezu sagen, daß dieser Gegensatz von »partikular versus universell« den gesamten kulturellen Raum der Psychoanalyse in wissenschaftsethischer und wissenschaftspolitischer Hinsicht spaltet. Franz Maciejewski, Soziologe und Psychoanalytiker, stellt in seiner jüngst erschienenen, weit ausholenden Studie über »Freud, Beschneidung und Monotheismus« diese so wichtige Frage in den Mittelpunkt und versucht darauf im Gang durch die Historie der Psychoanalyse und die Religionsgeschichte eine neue und, wie ich zeigen möchte, höchst problematische