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Es ist an der Zeit, sich einer selbst gesetzten Beschränkung zu entledigen und vorgeburtliche Aspekte der therapeutischen Arbeit ebenso in die Reflexion einzubeziehen wie die zur Zeit so viel beachtete Säuglingszeit. Es ist schon paradox: Während sich die Beschäftigung mit der frühesten extrauterinen Lebenszeit über die Säuglingsbeobachtung größter Beliebtheit erfreut und alle Welt vom »kompetenten Säugling« begeistert ist, wird derselbe Organismus ein paar Stunden vorher, eben in der Zeit vor der Geburt, in ein psychosoziales Niemandsland verbannt, als führe die Spekulation hierüber zwingend in die haltloseste Phantasterei. Dieser Bereich, so hört man, sei eben der Beobachtung nicht zugänglich und mit so vielen Unsicherheiten der Erkenntnis belastet, daß es für einen Wissenschaftler klüger sei, davon die Finger zu lassen. Es ist, als sei sich die Psychoanalyse ihres Gegenstands nicht mehr sicher, als suche sie in der Beobachtung, im Sichtbaren, was seinem Wesen nach niemals sichtbar ist, nämlich das Unbewußte.
Mag der Säugling noch so kompetent sein, die Ebene der unbewußten Phantasie läßt sich bei ihm ebensowenig beobachten wie beim Ungeborenen oder beim Erwachsenen; sie muß immer erschlossen werden. Das Material, aus dem geschlossen wird, ist dabei ebenso heterogen wie bei den anderen Lebenszeiten. Meine Vermutung ist, daß das Skandalon der vorgeburtlichen Lebenszeit und ihrer Auswirkung nicht, wie vorgegeben, in der »unsicheren Datenlage« liegt, sondern darin, daß sie mit einer Entgrenzung einhergeht, die Angst auslösend ist.
Die Trennung von Selbst- und Objektrepräsentanzen, die unser Erleben und unsere Reflexion vollständig zu bestimmen scheint, ist nicht ursprünglich, sie wird im Laufe der Entwicklung erworben. Freud benannte dieses Problem sehr klar, wenn er von dem »primäre[n] Ichgefühl […] und [dem] zu ihm passenden Vorstellungsinhalt […] der Unbegrenztheit« sprach (1930a, S. 425). Im weiteren war seine Haltung jedoch von der vornehmen, aber letztlich nicht