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»Ein ähnlich starkes Bedürfnis aus der Kindheit wie das nach dem Vaterschutz wüßte ich nicht anzugeben«, schreibt Freud in Das Unbehagen in der Kultur. Desto erstaunlicher ist es, daß die »Vater-Kind-Beziehung«, jedenfalls nach Ansicht des österreichischen Universitätspsychologen Aigner, bis heute den »dark continent« der analytischen Theorie bildet (S. 77): Im Register von Laplanche/Pontalis' Vokabular der Psychoanalyse kommt »Vater« als selbständiger Begriff nicht vor; Winnicott läßt die Ergänzung der »hinreichend guten Mutter« durch ein »good enough fathering« »schmerzlich vermissen« (S. 366), und auch die therapeutische Praxis tendiert zum »mother hunting« bei gleichzeitigem Freispruch der Väter, wie Aigner im Einklang mit Christa Rohde-Dachser konstatiert. Vor diesem Hintergrund leistet die nun vorliegende Typologie des »fernen Vaters« ein dreifaches: Zum einen entwickelt das Buch einen überzeugenden Lösungsansatz für das »schwierigste Problem der psychoanalytischen Theorie« (Jessica Benjamin), nämlich für das strittige Verhältnis zwischen der symbiotischregressiv wirkenden Mutter-Imago und der progressiv-befreiend wirkenden Vater-Imago. Zweitens schärft Aigner das Bewußtsein für die sozialpolitische Verantwortung der psychologischen Theoriebildung: Mit der Vernachlässigung der Vater-Kind-Beziehung habe diese die mangelnde Beteiligung der Väter an der Säuglingspflege und der »frühen Sozialisationsarbeit« gewissermaßen abgesegnet (S. 18). Drittens belegt der empirische Anhang des Buches die Folgen ödipaler und präödipaler Vaterdeprivation für die Herausbildung von Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und jugendlicher Gewaltbereitschaft. All dies geschieht auf der Basis einer ebenso gründlichen wie pointierten Auseinandersetzung mit der psychologischen und kulturwissenschaftlichen Forschungsliteratur - von A wie Anna Freud bis Z wie Zygmunt Bauman. Anna Freud, um mit ihr anzufangen, gehört dabei zu eben jener Mehrheit der Psychologen, der die Vater-Kind-Beziehung