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Was für Freud eine Last war, nämlich die Geschichte der Traumdeutung zu referieren, die für ihn allenfalls eine ungenügende Vor-Geschichte seines eigenen Vorhabens darstellte, das ist für Christine Walde ein in sich befriedigendes und faszinierendes Unternehmen, wenigstens, was die Antike angeht. Die Basler Altphilologin widmet sich dem Thema zunächst einmal aus seiner eigenen Perspektive, ohne stets mit Freud zu vergleichen. Damit hebt sie zugleich die Fremdhaftigkeit, aber auch die Eigengesetzlichkeit der antiken Bemühung um den Traum hervor. Auch damals wurden Träume gedeutet, aber von einem anderen Vorverständnis her und mit anderen Zielen. Trotzdem, und das ist das Überraschendste am Buch, gerade wenn man der antiken Traumdeutung »neutral« und in »gleichschwebender Aufmerksamkeit« nachgeht, zeigen sich zahlreiche Ähnlichkeiten zu Freuds Vorgehen, der von seinen Vorgängern vielleicht doch mehr gelernt hat, als es ihm bewußt ist, oder wenigstens mehr hätte lernen können. Das zeigt jedenfalls Alfred Krovoza in seinem Nachwort »Die Stellung Freuds zur Vorgeschichte der Traumdeutung«, die für vor allem psychoanalytisch Interessierte vielleicht die beste Einleitung in das Buch ist.
Aber gibt es überhaupt die antike Traumdeutung? Die Lektüre der Anfangskapitel zeigt, wie differenziert der Umgang mit Träumen in der Antike gewesen ist. Träume dienten der medizinischen Symptomforschung, aber auch der Mantik, sie wurden während der Inkubation im Tempel des Asklepios als medizinische Anweisungen erwartet, doch auch philosophisch diskutiert. Es gab den privaten Umgang mit den je eigenen Träumen und zugleich professionelle Traumdeuter, die in einer rational nachvollziehbaren Weise ihren Klienten aufgrund von Träumen Rat gaben. Was den antiken Umgang mit Träumen vom modernen aber grundsätzlich unterscheidet, das ist die heutige Marginalisierung der Träume. Und Walde zeigt an mehreren Stellen, daß heutzutage nicht nur Träume marginalisiert