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Rausch und Unglück — der Titel des Buches von Roland Voigtel enthält bereits eine wesentliche Aussage: daß nämlich der Süchtige nicht ein übermäßig Genießender ist, einer, der das bekömmliche und/oder sozial übliche Maß überschreitet, indem er zuviel des Guten konsumiert oder betreibt, sondern daß er in erster Linie ein Leidender ist, einer, der mit Hilfe des Suchtmittels eine unerträgliche (innere) Situation zu bewältigen sucht. Diese Auffassung ist natürlich nicht neu. Zwar sah Freud im Phänomen der Sucht zunächst noch eine ungezügelte, nicht abgewehrte triebhafte Handlung, doch setzte sich bereits bei seinen Nachfolgern (beginnend mit Rádo) die Auffassung durch, daß das unbewußte Ziel süchtigen Verhaltens eher der Unlustvermeidung denn einer übermäßigen Triebbefriedigung dient.
Aber der Blick auf den Süchtigen als einen Leidenden ist auch nicht selbstverständlich, wie man vielleicht meinen könnte. In seiner umfassenden kritischen Bestandsaufnahme der wesentlichen wissenschaftlich aktuellen Erklärungsversuche des Phänomens Sucht (psychiatrische, soziologische, lerntheoretische, neurobiologische, kulturgeschichtliche etc.) stellt Voigtel fest, daß sich heute überwiegend ein weiter, unspezifischer, an den Grenzen unscharfer und eher quantitativ deskriptiver als theoretisch stringenter Suchtbegriff durchgesetzt hat. Dieser weite Suchtbegriff verzichtet, so Voigtel, auf eine inhaltliche Begriffsbestimmung jenseits dessen, daß etwas (und dieses etwas kann praktisch alles sein!) exzessiv betrieben wird, und begnügt sich mit der Annahme eines allenfalls pragmatisch definierten »schädlichen Zuviel«. Unterschieden wird inhaltlich weder zwischen Gebrauch und Sucht noch zwischen Äußerungsformen von Gier, Leidenschaft, Wut und zwanghaftem Handeln.
Diesem weiten Suchtbegriff setzt Voigtel seinen eigenen entgegen, der strengen definitorischen Ansprüchen unterliegt. Von Sucht kann man ihm zufolge nur sprechen, wenn ein unerträgliches Leiden mit einer tiefen psychischen Verursachun