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Der Autor zeigt anhand der Begriffe normal und pathologisch die enge Verknüpfung von psychoanalytischer Theorie und kulturellen Normen. Nach einer allgemeinen Verortung beider Begriffe wendet Marcus sich der diesbezüglichen Freudschen Konzeption zu. Er weist auf, daß Freud — anders als die Psychiatrie des 19. Jahrhunderts, die das Pathologische strikt vom Normalen trennte — mit seiner Konzeption der Hysterie und der Variationen des Sexualtriebs das Normale und Pathologische auf einer Ebene ansiedelte und als Varianten des gleichen fundamentalen seelischen Geschehens betrachtete. Daß Freuds progressives Verständnis den Einzug konservativer kultureller Normen in die Psychoanalyse nicht verhindern konnte, erörtert Marcus anschließend am Beispiel der amerikanischen Ich-Psychologie sowie anhand der restriktiven Festlegung der Psychoanalyse, Homosexuelle von der psychoanalytischen Ausbildung auszuschließen. Erst unter dem äußeren Druck einer veränderten Sexualmoral korrigierte die Psychoanalyse ihre rigiden Aufnahmekriterien und akzeptiert heute homosexuelle Ausbildungskandidaten: Hier wird nicht nur das Ineinandergreifen von psychoanalytischer Theoriebildung und kulturellem Einfluß deutlich, sondern auch die zwingende Notwendigkeit theoretischer und praktischer Erneuerung der Psychoanalyse angesichts ständigen kulturellen Wandels.