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Die Debatte um Freuds letztes Buch Der Mann Moses und die monotheistische Religion und die darin angeschnittenen Themen Monotheismus, Judaismus und Psychoanalyse hat Anfang der 90er Jahre mit den Arbeiten von Y.H. Yerushalmi und I. Grubrich-Simitis (1991) eine ungeahnte Renaissance erlebt. Beide Autoren haben den Freudschen Text in engste Beziehung zur Freuds persönlicher und sozialer Identität gesetzt. Während Grubrich-Simitis das Moses-Buch von der Aktualisierung einer frühen traumatischen Verwundung »förmlich geschüttelt erscheint«1, sieht Yerushalmi nicht nur Freud als Person, sondern die Psychoanalyse insgesamt in die Tradition von Judaismus und Judentum gestellt. Mit dem Schlüsselwort der Tradition hat Yerushalmi zugleich den »Psycholamarckismus« der Freudschen Argumentation zurückgewiesen, das Postulat also einer (biologischen) Vererbbarkeit phylogenetischer Erinnerungen und dem eigentümlichen Spiegelverhältnis von ontogenetischem und phyloge-netischem Gedächtnis. An dieser Stelle haben zwei Philosophen, J. Derrida (1995) und R.J. Bernstein (1998), in die Debatte eingegriffen. Mit der Einführung des Begriffs »Archiv« resp. einem erweiterten Begriff von Tradition haben sich beide darum bemüht, die Zwangsalternative zwischen biologischer Vererbung auf der einen, kultureller Überlieferung auf der anderen Seite aufzubrechen. Von einer ganz anderen Seite, dem kulturwissenschaftlich erweitertem Raum der Ägyptologie, hat J. Assmann (1997) die Debatte bereichert: um das elaborierte Konzept des »kulturellen Gedächtnisses« sowie ein gedächtnisgeschichtliches Verfahren, das es erlaubt, die Erinnerungsfigur des ägyptischen Moses aus den Tiefen der Amarna-Erinnerung ins Relief treten zu lassen.
Auf der Grundlage dieser eindrucksvollen Forschungen habe ich mit meinem hier in Rede stehenden Buch den Versuch unternommen, mit den Methoden der Ethnopsychoanalyse und unter Einbeziehung neuer historischer und religions-wissenschaftlicher Erkenntnisse die von