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Maciejewskis Artikel in der Psyche weckte wegen seines Untertitels mein Interesse: Über das vergessene Trauma der Beschneidung. Zufällig hatte ich fast zeitgleich einen Artikel über dasselbe Thema mit dem Titel Het trauma van Freuds besnijdenis1 veröffentlicht (de Klerk 2003). Die Tatsache, daß Maciejewski und ich unabhängig voneinander zu der Hypothese gelangen, daß sich die Säuglingsbeschneidung potentiell traumatisch auswirkt, ist vielleicht ein Hinweis auf ihre Gültigkeit. Den Kern dessen, was Maciejewski und ich unternommen haben, bildet möglicherweise der Zusammenhang zwischen Freuds Konzept der Kastrationsangst in der phallisch-ödipalen Phase und dem unbeachteten Trauma der Säuglingsbeschneidung. Sowohl Maciejewski als auch ich führen Freuds phylogenetische Spekulation über einen kastrierenden und beschneidenden Urvater auf die Säuglingsbeschneidung als historische Tatsache in der Ontogenese zurück. Phylogenese wird zur Ontogenese, Vorgeschichte zur Geschichte. In diesem Beitrag liefere ich einige Anmerkungen zu Maciejewskis Artikel.
Maciejewski (2003, S. 540) bezieht sich auf den »Bestand eines verborgenen »zweiten Archivs der Psychoanalyse« (Derrida) — der Tiefenstruktur eines Körpergedächtnisses, das dem offiziellen Schriftgedächtnis als erstem Archiv zugrunde liegt«. Das stimmt beachtlich mit der heutigen experimentellen Forschung über die Existenz zweier Arten von Gedächtnis überein, dem impliziten und dem expliziten Gedächtnis (LeDoux 1991, 1996; Schacter 1996, zit. nach Schreuder 2003; Ladan 2000). Das implizite Gedächtnis funktioniert unmittelbar von Geburt an. Das autobiographische Gedächtnis muß erst reifen und wird etwa vom dritten Lebensjahr an aktiv. In letzterem sind die Erinnerungen gespeichert, die eventuell verdrängt wurden und die, wenn die Verdrängung aufgehoben wird, wieder verfügbar sind. Dagegen ist der Inhalt der ersten Gedächtnisart absolut unbewußt und der Introspektion unzugänglich. So ist der Mensch imstande zu gehen, aber er weiß ni