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Wilfried R. Bion zählt zu jenen Autoren, die viel zitiert und kaum je gründlich gelesen werden. So gehört es wohl zu den mittlerweile gebräuchlichsten Allgemeinplätzen unter Psychoanalytikern, von »containing« zu sprechen. Selten jedoch wurde sein Anspruch, eine erkenntnistheoretische Neuformulierung der Psychoanalyse vorgelegt zu haben, ernsthaft überprüft. Darmstädter, Literaturwissenschaftler und Psychologe, nimmt sich vor, diese Lücke schließen zu helfen und anhand der auf deutsch zugänglichen Schriften (Lernen durch Erfahrung, Elemente der Psychoanalyse, Transformationen und einige Aufsätze — ausgenommen bleibt das Buch Erfahrungen in Gruppen) den gesamten theoretischen Ansatz Bions zu rekonstruieren. Er versetzt sich bei seiner text kritischen Analyse in die von Bion für den Analytiker geforderte Haltung einer träumerischen Gelöstheit (rěverie) und macht dabei eine eigentümliche Erfahrung: »Bion versetzt den Leser in eine Lage, die der nachempfunden ist, über die er schreibt. Man versteht nichts und ist frustriert.« Wasineinersolchen Situationbleibt, ist der Versuch, in das in sich widersprüchliche Argumentieren des Autors, das aufgrund seiner Fragmentierungs- und Verdichtungstechnik den Leser ständig in einem unbefriedigt fragenden Zustand fesselt, gleichsam Schneisen der Ordnung zu schlagen. Ausgangspunkt des Ordnungsversuchs von Darmstädter ist Bionseigene Bemerkung, er füge dem Korpus der psychoanalytischen Theorien keine neue hinzu. Seine Theorien seien vielmehr als »Beobachtungstheorien« zu verstehen, als formalisierte und in-haltslose Instrumente der Erforschung der analytischen Situation. Darmstädter unterscheidet von diesen Beobachtungstheorien Theorien im herkömmlichen Sinne, er nennt sie »Inhaltstheorien« (dazu zählt Bion beispielsweise die Theorie der depressiven Position oder der projektiven Identifikation). Es ist nicht zufällig, daß sich in dieser Unterscheidung das Verhältnis von Behälter und Gehalt (container und contained) reflektiert—durch d