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Klaus Dörner wurde durch seine Schriften zur Reform der Psychiatrie und zur Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus bekannt. Ihm ist die Edition der Dokumente des Nürnberger Ärzteprozesses 1946/47 (vgl. Ebbinghausu. Dörner: Vernichtenund Heilen, Berlin [Aufbau] 2001) zu danken. Der Autor lehrte an der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf und an der Universität Witten-Herdecke und war von 1980 bis 1996 Leiter der Westfälischen Klinik für Psychiatrie Gütersloh. Im vorliegenden Buch versucht Dörner, diesseits von praktika-blen Grundrissen medizinischer Ethik für Studierende, dem ethischen Denken in der Medizin auf den Grund zu gehen. Für Dörner ist gerade im Zeitalter von Pragmatismus und Pluralismus die Gefahr von ethischer Gleichgültigkeit eine wesentliche Wurzelnachhaltiger ärztlich-philosophischer Reflexion.
Mit seinem Votum für ethische Kompetenz jeden Arztes und jeder Ärztin nimmt das Buch Partei gegen eine aktuelle Tendenz, Medizinethik durch außenstehende Experten institutionalisieren zu lassen (S. 211). Die interdisziplinär geführte Auseinandersetzung bezieht sich auf Autorender Psychosomatik wie V. v. Weizsäcker und T. v. Uexküll und ein bestimmtes philosophisches Denken, allen voran im Werk von Levinas, aber auch bei Jonas, Ricœur, Bauman, Waldenfels und Gadamer repräsentiert. Es sind Philosophen, die bei der Verantwortung das Gewicht von »Fürsorge« gegenüber »Gerechtigkeit« hervorheben und der »Alterität« besondere Aufmerksamkeit schenken.