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In den Jahren 1999 und 2000 fand über einen Zeitraum von drei Semestern im Institut für Erziehungswissenschaft der Philipps-Universität Marburg eine Ringvorlesung zum Thema »Grenzgängerinnen« statt. Die zwölf Beiträge in dem gleichnamigen Buch gehen größtenteilsaus Vorträgen dieser Ringvorlesung hervor. In ihrer Gesamtheit reflektieren sie die inhaltlichen Schwerpunkte und spiegeln die enorme Bandbreite der themenspezifischen Ausführungen und Konkretisierungen im Rahmen der Veranstaltungen wider. Es werden in eindrücklicher und überaus spannender Weise Frauen mit den unterschiedlichsten Migrationserfahrungen dargestellt, ihre Hoffnungen, nach all den Turbulenzen und Unwägbarkeiten, allen Umbrüchen, Verlusten und prekären Wendepunkten in ihrem Leben ein wenig Konstanz und Kontinuität zu erlangen. Damit verbunden geht es im Buch um die Sehnsucht von Migrantinnen nach einer befriedigenden und erfüllten Lebensgestaltung im neuen Umfeld, um ihre zahlreichen und innovativen Versuche, die Fesseln der inneren Isolation zu lösen und ihre verzweifelten Bemühungen, neues Vertrauen zu sich selbst und zu anderen aufzubauen, das heißt dem Labyrinth von Verlustempfinden, Gefühlen der Unzulänglichkeit und emotionalen Entleertheit zu entrinnen.
Grenzgängerinnen erzeugt eine außergewöhnliche Spannung, die sicherlich nicht zuletzt auf die unterschiedlichen Professionen und Backgrounds zurückzuführen ist, denen die Autorinnen angehören. So entsprangen die Aufsätze der Feder von Soziologinnen, Erziehungswissenschaftlerinnen und Ärztinnen, von Hochschullehrerinnen, Supervisorinnen und Publizistinnen, von Frauen mit und von Frauen ohne Migrationserfahrungen.
Es ist ungeheuer viel, was Migrantinnen und Exilantinnen verlieren, wenn sie ihre Heimat verlassen: Das »normale«, berechenbare Leben entleert sich, um in der Fremde zum Auffanggefäß für alles Neue, Unwägbare, Unfaßbare, für alles Flüchtige zu werden. Sogar die eigene Identität wird scheinbar diffus und schattenhaft. Migrantinnen verlie