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Der Band zeigt die Bedeutung auf, die das Denken von Jean Laplanche inzwischen für wesentliche Bereiche der Philosophie, Kulturwissenschaften, Theologie, Soziologie und natürlich der Psychoanalyse auch in Deutschland gewonnen hat.
Gleichzeitig mit dem Erscheinen dieses Bandes fand in Frankfurt eine Tagung statt, organisiert von Mitgliedern des Frankfurter Instituts, bei der Jean Laplanche seine neuesten Überlegungen in Erweiterung der »Allgemeinen Verführungstheorie« vortrug und sie mit den Autoren des vorliegenden Bandes diskutierte. Seine Erörterungen gingen von einem Satz aus, der auch die Überschrift des ersten Artikels in diesem Buch ist: »Ausgehend von der anthropologischen Grundsituation …«1
Die anthropologische Grundsituation ist im Verständnis von Laplanche die einer Asymmetrie zwischen dem Erwachsenen und dem Kind. Diesem Erwachsenen, der ein Unbewußtes »hat«, wie es die Psychoanalyse beschreibt, ein sexuelles Unbewußtes, ein Unbewußtes, das sich im wesentlichen aus infantilen Rückständen zusammensetzt, ein perverses Unbewußtes im Sinne der »Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie« (Freud 1905 d) — und dem Kind, das seinerseits über keine genetisch sexuelle Ausstattung und keine hormonellen Auslöser der Sexualität verfügt. In diesem Sinne wendet sich Laplanche gegen die Annahme einer endogenen kindlichen Sexualität, um aber desto vehementer und unverzicht-barer auf der Bedeutung der ganz speziellen infantilen, polymorph-perversen, autoerotischen Sexualität zu bestehen, die von den Erwachsenen immer wieder verleugnet oder mißverstanden wird
Laplanche betont hiererneut, daß seine »Allgemeine Verführungstheorie« sowie das Festhalten an der »Anthropo-logischen Grundsituation« keineswegs eine Stellungnahme gegen die Biologie impliziert, da für ihn jeder menschliche Vorgang in unauflöslicher Weise zugleich biologisch und psychologisch sei. Was Laplanche bestreitet, ist der Primat des Hereditären in bezug auf die kindliche Sexualität, keineswegs das Biologische, das ebe