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»Wir sind doch am Ende nichts weiter als eine Sekte von Juden.« (Lichtenberg)
Daß das Verdrängte nicht für immer verschwindet, sondern in neuen Formen wiederkehrt, ist eine viel zitierte psychoanalytische Weisheit. Sie wird in der Regel dann bemüht, wenn es — wie zum Beispiel hinsichtlich der Shoa — um die Anmahnung einer angemessenen »Erinnerungskultur« geht. Leider aber hat das Verdrängte die lästige Eigenschaft, seine Wiederkehr nicht in erster Linie nach den Bedürfnissen der staatsbürgerlichen Belehrung und sittlichen Besserung auszurichten. Und nicht immer ist das Wiederkehrende das Verdrängte, das man in ihm wiederzuerkennen meint. (Das »Wiederfinden des Bekannten ist lustvoll«, schreibt Freud [1905c, S. 135]; aber darum täuscht man sich auch so häufig mit den Lehren der Geschichte.)
Als im Frühjahr 2004 Mel Gibsons Verfilmung der Leiden Christi in die amerikanischen und vereinzelt auch in die europäischen Kinos kam (und mindestens in den USA — inklusive begleitendem Merchandising -zu einem Kassenfüller avancierte), lautete der Kernpunkt der Kritik, die Aussage des Films zehre von einer Wiederbelebung überwunden geglaubter antijüdischer Ressentiments. Nehmen wir also einmal an, Mel Gibsons Film The Passions of the Christ sei tatsächlich eine Wiederkehr des Verdrängten. (Und das ist wirklich keine besonders gewagte Annahme, denn welches Artefakt wäre keine solche Wiederkehr?) Aber welches Verdrängten?
In einer gemeinsamen Erklärung, die man als exemplarisch für den Tenor der ideologischen Kritik an Gibsons Film nehmen kann, schrieben der Schweizerische Evangelische Kirchenbund und der Infodienst der Schweizer Bischofskonferenz:
»Das Argument, es würden in »The Passion of the Christ« nur Bibeltexte verwendet, schützt nicht vor dem Antisemitismus-Vorwurf. Das vulgäre »Christusmörder-Klischee« — die Juden sind für den Tod Jesu verantwortlich — ist bis heute nicht verschwunden. Alles, was heute die kollektive Schuldzuweisung an die Juden stützt, ist unter allen Umstän