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Seit längerem arbeitet Alice Holzhey-Kunz an nichts Geringerem als an einer Integration von Freud und Heidegger, von Daseinsanalyse und Psychoanalyse. In ihrem 1994 erschienenen Buch Leiden am Dasein. Die Daseinsanalyse und die Aufgabe einer Hermeneutik psychopathologischer Phänomene (vgl. Psyche — Z Psychoanal 51, 1997, S. 95-98) hat sie sich zunächst scharf von Ludwig Binswanger wie von ihrem Lehrer Medard Boss abgesetzt und sodann Freuds Neurosentheorie, respektive den »Ödipuskomplex«, und die späte Trieblehre »existenzialontologisch« zu reformulieren begonnen. Der Terminus steht für eine negative Hermeneutik des Daseins in Abhebung von dessen moralischer oder gar medizinischer Normierung. Für den frühen Heidegger ist das Positive, Gesunde, Normale, Gelingende kein ursprüngliches Phänomen, sondern jeweils erst Folge einer Modifikation negativer Lebenstendenzen, d.h. eines Durcharbeitens von und (temporären) Hinauskommens über Selbsttäuschungen und Illusionen, über Scheitern, Flucht und Ersatzbefriedigung. In diesem basalen Negativismus trifft sich Heidegger mit Freud.
Das mag für manche schon überraschend genug sein. In ihrem neuen Buch geht Holzhey-Kunz aber noch einen Schritt weiter: Nicht allein stellt sie die Frage nach der Identität der Psychoanalyse, sondern beantwortet diese auch im Sinne ihrer negativen Hermeneutik und Anthropologie, d. h. einer Lektüre Freuds und psychoanalytischer Theorien generell, diedurch Heidegger — und Sartre — hindurchgegangen ist. Das Provozierende, das darin liegt, die Identität der Psychoanalyse gleichsam von der Fremde her zu bestimmen, ist nicht von schlechten Eltern.
Was macht für die Autorin psychoanalytische Identität aus? Erstens eine Interpretation neurotischer Symptome, die in diesen einen komplexen »Sinn« erkennt. Zweitens ein Verständnis von Therapie, das konsequent am Hier und Jetzt des Übertragungs- und Gegen-übertragungsgeschehens ansetzt. Drittens die Verabschiedung von medizinischen Leitkategorien wie gesund und kr