You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Daß die Konzepte der Psychoanalyse nach einem Wort von David Rapaport »elastisch« sind, ist eine reichlich euphemistische Beschreibung der eben-soviel beklagten wie grassierenden Tatsache, daß sie je nach Theorierahmen mal das eine und mal das andere bedeuten können. Was man jeweils darunter zu verstehen hat, ist mehr oder minder davon abhängig, was der Autor oder die Autorin, die sich theoretisch oder klinisch einem bestimmten Phänomen widmen, gerade darunter verstehen wollen. Die Beiträge zur psychoanalytischen Theoriedebatte beziehen sich sowieso schon längst nicht mehr aufeinen geteilten oder teilbaren Grundbestand an Überzeugungen. Sie scheinen aber — so jedenfalls der Eindruck des Rezensenten bei der Lektüre aktueller Arbeiten — gar nicht mehr den Anspruch auf Übereinstimmung zu erheben. Siesind (mit dem fortschreitenden Verschwinden der Psychoanalyse aus dem universitären Diskurs noch deutlicher) ins Belieben derjenigen gestellt, die sich mal hier mal dort aus dem reichen Fundus der psychoanalytischen Theorie bedienen. Was Robert S. Wallerstein im Vorwort des vorliegenden Buches noch die »Vielfalttheoretischer Perspektiven oder Bewegungen« nennt, »die Ich-Psychologie und nun die Post-Ich-Psychologie, der Kleinia-nische (und Bionsche) Ansatz, die Objektbeziehungstheorie mit gleich einer ganzen Reihe von Stammvätern (Fairbairn, Guntrip, Winnicott, Balint, Bowlby u. a.), die Lacan-Schule, Kohuts Selbstpsychologie und alle Spielarten der interpersonalen Richtungen. Außerdem die intersubjektiven und konstruktivistischen Perspektiven« (S. 9 f.) — dieses nur für die wenigsten noch überschaubare Angebot ist in Wirklichkeit keine inspirierende Vielfalt, sondern babylonisch, weil die einzelnen Terminologien nebeneinander-stehen, nicht aufeinander bezogen werden, auch kaum mehr noch aufeinander beziehbar sind. Daß in der Theoriebildung die Beliebigkeit fröhliche Urstände feiert, ist freilich deswegen nicht nur bedauerlich, sondern gefährlich, weil damit auch die Praxis