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In der klinischen Theorie der Psychoanalyse hat sich in den letzten Jahrzehnten der Wandel von einer ausschließlich intrapsychischen Sichtweise zu einem intersubjektiven Verständnis der analytischen Situation vollzogen. Nahezu alle psychoanalytischen Schulen haben sich stärker interaktiv geprägten Konzepten geöffnet. Gegenübertragung, Enactment und projektive Identifizierung sind zu leitenden Begriffen in der Behandlungstheorie der Psychoanalyse geworden. Die persönliche Involvierung des Analytikers wird nicht mehr als ein Hindernis, sondern als notwendiger Bestandteil eines fruchtbaren analytischen Prozesses angesehen. Waren im ursprünglich vorherrschenden Subjekt-Objekt-Denken die beiden Partner der therapeutischen Beziehung komplementär und asymmetrisch aufeinander bezogen, so begann man in den intersubjektiven Konzeptionen des analytischen Prozesses Analytiker und Patient methodisch als eine Subjekt-Subjekt-Beziehung aufzufassen, deren Struktur sich eher einer Symmetrie annähert denn einer polaren Komplementarität. Jetzt treten Begriffe wie »Momente der Begegnung«, »wechselseitige Anerkennung«, »Authentizität«, »Spontaneität«, »Selbst-Ausdruck« des Analytikers usw. in den Vordergrund. Eine solche Auffassung verändert auch die Position des Analytikers: Er kann nicht mehr als unabhängiger Beobachter im analytischen Prozeß gelten, der die Bedeutungen des seelischen Materials dekodiert und wie ein Schiedsrichter zu entscheiden hat, was im Verhalten des Patienten verzerrende Übertragung und was der Realität angemessen ist. In der intersubjektiven Psychoanalyse wird der analytische Prozeß vielmehr als eine Ko-Konstruktion von Analytiker und Patient verstanden, in dem beide Partner bestrebt sind, gemeinsam zu verstehen, wie das emotionale Erleben des Patienten organisiert ist. Sie tun dies, indem sie versuchen, die intersubjektiv konfigurierte Erfahrung zu klären.
Entscheidende Impulse hat diese intersubjektive Wende der Psychoanalyse aus zwei unterschiedlichen Gebieten