You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
In der traumatischen Erfahrung wird der selbstverständliche Bezug zum eigenen Selbst zerstört, zugleich aber geht der Andere als Anderer verloren. Indem im Beziehungstrauma der Mitmensch zu nahe kommt, zerstört er die Ferne, die das positive Erleben jeder Nähe voraussetzt und die zum Erleben von Andersheit gehört. Wenn der Andere verlorengeht, wird auch die konstruktive Erfahrung von Differenz zerstört, und dieser Verlust führt zur Sprachlosigkeit traumatisierter Menschen. Dieser Zusammenhang wird in zwei Schritten entfaltet. Im ersten Teil wird der Begriff des Anderen aus einer vierfachen philosophischen Perspektive (Erkenntnistheorie, Transzendenz, Phänomenologie des Fremden, Intersubjektivität) und die Bedeutung des »philosophisch Anderen« für die Psychoanalyse herausgearbeitet. Zentral ist dabei das Verhältnis von Selbst(aufbau) und der Erfahrung des Anderen. Dieses wiederum soll die Voraussetzung für den zweiten Teil darstellen, der sie nutzt, um mit der eingeführten Konzeption des Anderen Traumaerfahrungen und ihre therapeutische Verarbeitung zu verstehen und zu ordnen.