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Das/der Andere als unbewußte Entität unterscheidet sich vom gewöhnlichen Anderen durch eine radikale Differenz, deren Urform — Säugling und Mutter — mit der Entwicklung von Identifikation und Sprache überbrückt, nicht aber überwunden wird. Daß die unterschwellige Kluft zwischen Selbst und Anderem jederzeit wieder aufbrechen kann, läßt sich an dem tiefen Riß im Gefühl vom Anderen angesichts der Anschläge vom 11. September demonstrieren. Die Aufgabe einer Ethik der Psychoanalyse sieht Lichtenstein darin, in der Andersheit von Gewalt menschliches Handeln zu erkennen, das Sinn und Bedeutung hat, auch wenn es verurteilt werden muß. Er plädiert für die Erarbeitung einer Theorie der Differenz, deren Ziel es ist, ein dialektisches Verständnis der Identität mit dem Anderen zu entwickeln, das eine Abkehr vom Bild des Anderen als völlig fremd erlaubt und das tragisch Menschliche erkennen läßt.