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Wohin steuert die Psychoanalyse? Im metapsychologischen Modellwettbewerb haben der Konzeptreichtum und auf klinischer Ebene die Methodenvielfalt Dimensionen angenommen, die nicht mehr zu überschauen sind. Weil alle Schulen ihre eigene Begrifflichkeit pflegen und jede neue Strömung vom terminologischen Distinktionsgewinn profitiert, fällt die Verständigung untereinander immer schwerer, zumal die Konkurrenz um die diskursive Führungsrolle die interkulturelle Kommunikation zusätzlich stört. Die disparaten Theoriesprachen erfordern inzwischen einen Übersetzungsaufwand, der kaum noch zu leisten ist. Den Polyhistor, der das in einem Jahrhundert angehäufte Wissen der Psychoanalyse um die Conditio humana versammeln könnte, gibt es nicht mehr — und wenn es ihn gäbe, wäre er der Verfasser einer dickleibigen, womöglich unlesbaren Enzyklopädie.
Wer beherrscht heute noch Lacans »Sprache des Unbewußten« und die feine Unterscheidung von kleinem »a« und großem »A«? Wer kann von sich behaupten, den alphabetischen Metabolismus von Bion und die komplizierte Systematik seines »container/contained«-Modells wirklich verstanden zu haben? Wer ist in der Lage, Winnicotts Paradoxien des Selbst nachzuvollziehen, wie die vom Säugling, den es »gar nicht gibt«, der aber dennoch »das Objekt erschafft, das er zugleich vorfindet«, und zugleich eben dieses Objekt »zerstören« muß, um es zu »verwenden«? Was hat Kohuts »Selbstobjekt« mit dem »inneren Objekt« bei Melanie Kleinzutun, und wie unterscheiden sich beide vom »subjektiven Objekt« bei Winnicott, vom »inneren Gefährten« bei Stern, vom »virtuellen Anderen« bei Bråten oder vom »ungedachten Bekannten« bei Bollas? Wer kann nachvollziehen, was es mit Ogdens epistemologisch vertracktem »analytischen Dritten« auf sich hat, und sieht sich überdies imstande, die zahlreichen anderen Varianten des umraunten »Dritten« zu verfolgen, wie sie in der psychoanalytischen Literatur zu finden sind (die Realität, die Stundenbegrenzung, die Sprache, der Vater …)? Hand