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Empathie — ist das nicht die Zaubermacht, an deren Wesen nach Kohut die Psychoanalyse im besonderen und die Welt im allgemeinen genesen soll? Empathie — ist das überhaupt ein psychoanalytischer Begriff?
Zwischen diesen Extremen wählt Bolognini den Weg einer sehr genauen Begriffsentfaltung von seinen Ursprüngen in der deutschen Romantik bis zum präzisen Instrument psychoanalytischen Handwerks. Wer sich hiervon einen Überblick verschaffen möchte, lese das Vorwort von Lore Schacht — eine bessere Einführung könnte keine Rezension geben. Ich werde mich darum hier auf einige Kostproben beschränken, die Lust zur Lektüre machen sollen.
Der Titel selbst: Die psychoanalytische Einfühlung, schenkt uns ein Wort zurück, das wie so viele aus dem Sprachschatz Freuds in die Emigration gegangen und von dort verfremdet zurückgekehrt ist. »Der Grund, warum viele englischsprachige Analytiker nicht richtig über die Bedeutung des Begriffs »Einfühlung« bei Freud informiert sind, ist der, daß die »Standard Edition« nur drei der 12 Erwähnungen des Wortes »Einfühlung« mit »empathy« übersetzt, und nie das Verb »einfühlen« — das achtmal vorkommt — mit »to emphathize«« (S. 35). Leider hat der Verlag die Arbeit des Übersetzers in keiner Weisege würdigt, indem sein Name zwischen dem finanziellen Sponsor, dem Lektor, dem Umschlaggestalter usw. nirgends erwähnt ist. Eine hoffentlich einmalig bleibende Nachlässigkeit. Dabei dürfen wir uns besonders glücklich schätzen, gerade dieses Buch auf deutsch vorliegen zu haben: bildet es doch einen Teil der in Gang kommenden Bemühungen, uns den Raum der italienischen Psychoanalyse weiter zu erschließen und erspart es uns gerade bei diesem delikaten Thema die Verfremdung doppelter Übersetzung.
Warum »delikat«? »Bei den Anhängern eines wissenschaftlichen Studi-ums der Psychoanalyse kann er die Befürchtung einer begrifflichen und theoretischen »Reductio ad unum« hervorrufen. […] Bei den jungen Analytikern, die vor ihrer ersten klinischen Erfahrung stehen, kann der