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Die Forschungen, die ihrer am 4. Mai 2003 im Jüdischen Museum in Berlin gehaltenen Karl-Abraham-Vorlesung des Berliner Psychoanalytischen Instituts über »Die ausgeblendeten Hörner. Zu Freuds Essay über den Moses des Michelangelo« zugrunde lagen, hat Ilse Grubrich-Simitis in einem bestechend schönen Buch vertieft und erweitert. Es fügt zwanglos einen Text von großer Komplexität, 38 hervorragende Abbildungen, zum Teil jüngst aufgenommene Photos und 4 Faksimiles aneinander und ineinander, so daß eine gleichermaßen leserliche wie anschauliche Collage entsteht. Hatte sie schon 1991 in ihrer Sigmund-Freud-Vorlesung Freuds Moses-Studie als Tagtraum die latente autobiographische Tiefendimension des Spätwerks herausgearbeitet, so stellt sie jetzt den frühen Essay »Der Moses des Michelangelo« in einen biographischen und darüber hinaus kunsthistorischen Kontext, zu dem sie durch die lebhafte intellektuelle Auseinandersetzung im Zusammenhang mit der 2003 abgeschlossenen Restaurierung des Grabmals für Papst Julius II. mit Michelangelos berühmter Einzelskulptur des Moses und vielfache Lektüren angeregt wurde. Sie verleiht dem »Wagstück«, wie Freud seine »voranalytische«, der großen Magie des Kunstwerks gewidmete Arbeit Ferenczi gegenüber wegen des Dilettantismusverdachts charakterisierte, einen faszinierenden Perspektivenreichtum. Wir wissen, daß Freud den ersten seiner zahlreichen Besuche der Kirche San Pietro in Vincoli am 6. September 1901 seiner Frau mitteilte. Und mit dem Anblick des Moses des Michelangelo begann in der Sicht Kurt R. Eisslers ein Prozeß, der Freud selbst zu einem großen Mann machte, der der Menschheit ein neues Bild ihrer selbst aufzwang (2002, S. 44).
Im ersten Kapitel macht Ilse Grubrich-Simitis auf die Paradoxie der Anonymisierung der Erstveröffentlichung in Imago 1914 und der gleichzeitigen Häufigkeit des Satzbeginns mit Ich, die das verborgen Autobiographische nur indirekt verraten habe, aufmerksam. Freud hat sich trotz der Tabuisierung der Betrachter-Se