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Dieses Buch ist ein wichtiger Beitrag zur psychoanalytischen Kulturtheorie. Sein Autor liebt die Gewalt, oder zumindest: er liebt es, furchtlos von Gewalt zu sprechen und die Notwendigkeit ihrer kulturellen Transformation hervorzuheben. Dabei spricht er eine deutliche und gut lesbare Sprache. Es sind zwei Linien, die er verfolgt. Die eine handelt von der kulturellen Evolution. Er stellt sie der biologischen Evolution als gleichwertig zur Seite (Freud neben Darwin) und formuliert für sie ein Evolutionsprinzip, das eine erstaunliche Erklärungskraft für viele schwer verständliche Phänomene des religiöskulturell-gesellschaftlichen Lebens hat. Die zweite Linie handelt von den individuellen Prozessen der Trauer, wobei er wiederum auf die allen Trauerprozessen inhärente Gewalt fokussiert. Auch hier hat er dem Rezensenten viele überraschend neue Einsichten vermittelt.
Drama, Urtragödie, Opfer, Mord, Kannibalismus, Ritualisierung — es ist ein düsteres Tableau, das Haas auffächert. Er hat einige Gewährsleute, auf die er immer wieder zurückgreift. Der ersteist Freud mit Totemund Tabu und dem Mann Moses und die monotheistische Religion. Hier wendet Haas sich vehement und für mich überzeugend gegen die derzeitige Tendenz, die manifesten Thesen dieser Bücher für veraltet und unhaltbar zu erklären und sie ausschließlich psychobiographisch als Manifestationen Freudscher Seelenzustände zu lesen.
Reneé Girard mit seiner bekannten Arbeit über Das Heilige und die Gewalt von 1972 gibt Haas die Argumente, die historische Wahrheit der Freudschen Thesen zu reaktivieren: von dem Urmord der Söhne am Vater der Urhorden, von dessen Wiederholung im Mord der Israeliten an Moses, und von dessen erneuter Wiederholung in der Kreuzigung Christi. Hinzu kommt Walter Burkerts Studie über Mythos und Ritual in den archaischen und altgriechischen Religionen Homo necans, ebenfalls von 1972. In ihr entwickelt Burkert seine »Jagd-Opfer-Theorie«, nach der die menschliche Kultur wesentlich aus der Transformation