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Voranzustellen ist die dem Rezensenten zuteil gewordene Leseerfahrung, daß es den Herausgebern dieser Sammlunggelungen ist, das konstante Mitlesen im umfangreichen und informativen Anmerkungsapparat zu einem Bedürfnis werden zu lassen. Erstaunlicherweise ist es nicht so, daß man sich fortwährend inein Labyrinth von Hinweisen und Ergänzungen vertrieben fühlt, sondern man beginnt von sich aus unversehens aktiv nach Anmerkungen Ausschau zu halten, man wird zum engagierten Begleiter von Hermann Rorschach, und schließlich wünscht man sich innerlich zunehmend dringlicher, seine kaum 38jährige Lebensfrist weiter und weiter in die Ferne hinauszurücken.
Wie kann solche Verbundenheit oder gar Faszination mit einer Persönlichkeit zustande kommen, die ohne besonderes Aufsehen gut ein Dutzend Jahre in der Anstaltspsychiatrie gedient und einen klexographischen Test entwickelt hat? Antworten auf diese Frage liefert insofern der Briefwechsel selbst, als Rorschachs menschliches Profil die gesamte schriftliche Kommunikation in eine Atmosphäre kleidet, deren Stofflichkeit aus einer einfachen, unkalkulierten und lauteren Art des Schreibens hervorgeht und damit emotionale Verbindungen zum Leser zu knüpfen vermag.
Die eigentlich unsensationelle Korrespondenz privater, fachkollegialer und verlagstechnischer Art ist durchgängig mit einem Sympathie und Vertrauen schaffenden Timbre versehen. Frühe Ernsthaftigkeit, soziale und intellektuelle Verbindlichkeit, absolute Unbe-stechlichkeit und menschliche Wärme bei hellwacher Intelligenz gehören offensichtlich zu Rorschachs charakterologischem Inventar; aber bereits dieser Aufzählungsversuch verstellt durchseine Etikettierung die Tatsache, daß hier eine ebenso robuste wie diskrete »Gesamtausstrahlung« einer schöpferisch vielseitigen Persönlichkeit auf uns einwirkt. Es mag ein wenig an Luther erinnern, wenn wir H.R. im Kampf um seine wissenschaftlichen Positionen sagen hören: »Ich muß doch nun zu meiner Sache stehen, wie ich eben muß« (Brief Nr. 189