You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Zbigniew Kossowski: Sie gehören zu den bedeutendsten Psychoanalytikern der Gegenwart …
Hanna Segal: So sagt man …
Wie sind Sie zur Psychoanalyse gekommen?
Durch die Bibliothek meines Vaters. Er interessierte sich für alles. Was neu war, das hat er gelesen. Wir hatten an die 2000 Bücher. Ich wollte schon sehr früh Psychoanalytikerin werden. Ich habe zwischen meinem 13. und meinem 17. Lebensjahr ziemlich viel Freud gelesen. Wenn ich mich nicht täusche, gab es damals die Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse und Zur Psychopathologie des Alltagslebens in polnischer Übersetzung. Ich glaube auch noch — mein Gedächtnis für Titel und Bücher ist schrecklich — das Buch über den Witz. Mit der Psychoanalyse kam ich an verschiedenen Orten in Berührung. Damals wurde in Warschau eine sehr witzige Farce von Antoni Cwojdzinski mit dem Titel Freuds Traumtheorie aufgeführt. Mir hat das Stück sehr gut gefallen.
Was machte Ihr Vater?
Er war ein Warschauer Rechtsanwalt, er hieß Poznański. Als er vierzig war, hatte er genug von seiner Kanzlei, und wir gingen nach Genf, wo er Redakteur der relativ wichtigen Zeitschrift Journal des Nations wurde. Damals war ja der Völkerbund in Genf, und das von italienischen Emigranten gegründete Journal des Nations beschäftigte sich mit internationaler Politik und war ausgesprochen antifaschistisch. Mein Vater redigierte die Presseschau aus vierzig Ländern, er selbst konnte acht Sprachen. Meine Eltern wohnten in Genf bis 1938.
Ich blieb nur drei Jahre — als ich 16 war, kehrte ich nach Warschau zurück, wo ich ein polnisches Abitur machen wollte. Das war meine Jugendrebellion — eine recht zivilisierte Rebellion, weil mein Vater eigentlich nichts dagegen hatte. Er war ein großer Patriot und sah in meiner Entscheidung den patriotischen Wunsch, in der Heimat zur Schule zu gehen.
Dabei hatte ich jeglichen Patriotismus in der École Internationale de Genève verlernt. Mir ging es um etwas anderes. Für mich war es sehr traumatisch gewesen, mit 13 von Polen wegzu