You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Der Anstoß für das hier zu besprechende Buch ging von einer Debatte der in Berlin erscheinenden Wochenzeitschrift Freitag aus. In dieser war nach der Logik von Feindbildern und den sie tragenden gesellschaftlichen Verhältnissen gefragt worden. Michael Schneider sprach in diesem Zusammenhang von der »amerikanischen Paranoia«, die durch den neoliberalen Sturm ausgelöst und politisch ausgenutzt werde. Willi Brüggen, Berliner Psychoanalytiker und Verleger des Freitag, versuchte, in einem zweiten Beitrag die Frage psychoanalytisch und grundsätzlicher zu stellen. Er konstatierte gleichsam eine Veralterung der psychischen Strukturen. Menschen würden aufgrund von sich beschleunigenden Enttraditionalisierungsprozessen in einen immer heftigeren Gegensatz zu bisher dominant wirksamen psychischen Mechanismen (Verdrängung) und zu ihrem eigenen Über-Ich geraten, dassich ungleichzei-tigen Strukturen verdanke und zunehmend antiquiert sei. In dieser unüber-sichtlichen und widersprüchlichen Lage, in der mehr und mehr Verneinung anstatt Verdrängung gefordert sei, seien traditionelle Feindbilder wichtige Anker, nach denen sich die Individuen zurücksehnen würden. Brüggen formuliert damit eine Alternative zu zeitgenössischen sozialpsychologischen Erklärungen, die die neuen Lebensmuster nur im Sinne einer narzißtischen Störung und als kollektiven Regressionsprozeß (miß) verstehen können.
Im Buch finden sich nun zahlreiche, zum Teil disparate Beiträge psychoanalytischer und »diskursanalytischer« Provenienz, die diese Debatte in unterschiedlicher Weise aufgreifen und weiterführen. Allerdings scheint mir die schillernde Bezeichnung »diskursanalytisch« etwas irreführend zu sein. Es handelt sich weitgehend eher um klassisch politische bzw. soziologische Analysen. Untersucht und kritisiert wird von den Autoren vorrangig die Außen- und Innenpolitik der US-ame-rikanischen Administration im Umfeld des 11. September 2001 und ihre globalen Auswirkungen. So zeigt Clemens Knobloch, daß keine Mühen gesc