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Die Psychiatriereform hat als Teil der 68er Bewegung verkrustete gesellschaftliche Verhältnisse in Frage gestellt
und mancherorts zur Auflösung der alten Psychiatrien geführt. Während die Antipsychiatrie um Cooper und Laing die Komplizenschaft zwischen psychiatrischer Behandlung und repressiven familiären und gesellschaftlichen Verhältnissen aufdeckte, betrieben Basaglia in Italien wie Dörner in der Bundesrepublik Deutschland auf je unterschiedlichen Wegen die Auflösung der großen Institutionen. Diese gut dokumentierten wie auch verschiedentlich kritisierten Ansätze und Bemühungen gehören inzwischen zur Geschichte, wenn auch ihre Impulse aus den heutigen psychiatrischen wie psychoanalytischen Behandlungskonzepten nicht wegzudenken sind. In der Gegenwart erzwingen die knapper werdenden finanziellen Ressourcen wie restriktiven gesellschaftlichen Umverteilungsmechanismen, alte Denk- und Behandlungsgewohnheiten auf den Prüfstand zu stellen. Zugleich werden diese gesellschaftlichen Veränderungen weltweit auf verschiedensten Ebenen durch eine Zunahme eskalierender Gewaltkonflikte begleitet, denen durch Hilflosigkeit und fehlende Eingriffsmöglichkeiten gekennzeichnete Behandlungskonzepte gegenüberstehen. Hier schlägt das angezeigte Buch eine Brücke. Die Hamburger Kinder- und Jugendpsychoanalytikerin Dietmut Niedecken und die beiden österreichischen Päd-agoginnen Irene Lauschmann und Marlies Pötzl beschreiben darin den durch einen supervisorischen Prozeß begleiteten und reflektierten Umbau einer großen Institution — einer »Verwahran-stalt« für psychisch kranke und geistig behinderte Menschen — in kleine, lebensnahe Wohneinheiten. Damit steht die Praxis, auf die sich das Buch bezieht, zwarin der Tradition der Psychiatriereform. Es beschäftigt sich jedoch mit den vom Vergessen bedrohten schwer geistigbehinderten, weiterhin hospitalisierten Menschen. Sie standen auch in der Reformbewegung eher im Schatten, werden bis heute von der Psychoanalyse (wie allgemein von psychothera