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Dem ersten Eindruck nach handelt es sich bei diesem neuen Werk Kuscheys um eine Biographie von Ernst und Hilde Federn. Tatsächlich wird der Leser durch Interviews, die der Autor mit den Protagonisten über politische und soziale Geschehnisse ihrer Lebensgeschichte bis 1948 geführt hat, durch die Lektüre geleitet. In den letzten Jahren wurde Ernst Federns Lebensgeschichte des öfteren referiert, wurde Federn doch besonders in Deutschland als einer der Gründer und Lehrer der psychoanalytischen Sozialarbeit anerkannt. Als Historiker der Psychoanalyse in England, Frankreich, Italien und den USA gern gehört, fand er dagegen in Österreich auf den bestimmenden Gebieten seines Lebens—der sozialistischen Politik und der psychoanalytischen Bewegung — kaum Resonanz.
Das erste Kapitel »Herkünfte« setzt sich mit der Geschichte der Familie Federn auseinander. Anfang des 20. Jahrhunderts waren die Federns eine bekannte und geschätzte jüdische Familie in Wien. Ernst Federns Großvater, Salomon Federn, war ein geachteter Arzt, dessen Kinder in Berlin und in Wien gesellschaftliches Ansehen erlangten. Obwohl niemand der Familie bekennender und praktizierender Jude war, sich sogar teils dem protestantischen Glauben zuwandte, war die Familie ab 1933 bzw. 1938 dem Terror des NS-Regimes ausgesetzt und in der Folge gezwungen, Deutschland bzw. Österreich zu verlassen.
Das Leben Ernst und Hilde (geb. Paar) Federns liest sich wie eine spannende