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Zum morgendlichen Appell mußten die Lagerhäftlinge vollständig angekleidet antreten. Einem Häftling war seine Kopfbedeckung abhanden gekommen. Er stahl die Mütze eines anderen Häftlings, was für diesen den sicheren Tod bedeutete.
Die packend geschriebene Autobiographie von Roman Frisier, die 1997 auf deutsch unter dem Titel Die Mütze oder der Preis des Lebens erschien und seither mehrere Neuauflagen erlebte, löste in Israel heftige Debatten aus. Sie unterschied sich deutlich von den meisten Selbstzeugnissen von Überlebenden der Shoah, denn sie war eine Beichte, ein Dokument der Überlebensschuld in einem konkreten moralischen Sinn. Frisier exponiert das Problem, er kommentiert es, ohne sich zu rechtfertigen und ohne eine definitive Antwort auf die Frage zu geben, wie moralische Forderungen in einer Situation wie der des Lagers zu beurteilen sind.
Die differenzierte Tonart, die Frisier an seinem Beispiel im Hinblick auf den Opferstatus der Überlebenden der Shoah anschlägt, hat weitreichende Konsequenzen für die psychopolitische Situation in Israel und den jüdischen Gemeinden. Sie erscheint in der vorliegenden Untersuchung als klares Motiv für eine therapeutische und eine